Buße tun für die Sünden der Nation
Vorbemerkung des Übersetzers: Dies ist eine Übersetzung aus dem Englischen – mit allen Nachteilen, die eine Übersetzung mit sich bringt. Vor allem ist anzumerken, dass dem Übersetzer der Gegenstand, von dem dieser Artikel spricht – nämlich die Lehren oder, wie sich durch dieses Studium herausstellt, die Irrlehren über »Buße tun für die Sünden der Nation«, nicht im Original so vertraut sind, dass er die Terminologie dieser Lehrer immer zutreffend wiedergeben kann. Der betroffene Leser wird aber ohne Schwierigkeiten erkennen, von welchen Aussagen dieser Lehrer und Schreiber jeweils die Rede ist.
Ein großer Teil der Hervorhebungen im Text, die sich im englischen Original kursiv und/oder halbfett finden, wurden in der Übersetzung in Normalschrift wiedergegeben, wie es eher den Gewohnheiten deutschsprachiger Leser entspricht. R.Th.
TEIL EINS
Als Paulus und Silas nach Beröa kamen, lesen wir, dass die Juden in Beröa freundlicher waren als die in Thessalonich, weil sie das Wort bereitwillig aufnahmen und täglich in der Schrift forschten, ob die Dinge sich so verhielten (Apostelgeschichte 17,10). Dieses Verhalten empfiehlt die Bibel nachdrücklich, nämlich jede neue Lehre an der Schrift zu prüfen, ehe wir ihr Glauben schenken. Das ist nicht Unglaube, sondern zeigt, dass unser Interesse nur dem gilt, was Gott selbst in Seinem Wort offenbart hat. Wir geben Gott die Ehre und beweisen unsere Liebe zu Ihm, indem wir dem Weg folgen, den Er uns gezeigt hat. Das ist auch ein Schutz für uns – wir werden vor vielen Schmerzen und Irrwegen bewahrt, indem wir uns demütig an Sein Wort halten.
Wenn uns also jemand sagt, wir sollten dies oder jenes glauben oder tun und wir finden diese Dinge nicht im Wort Gottes, dann sollten wir eine solche Lehre nicht annehmen. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Verfasser ein weltberühmter Prediger ist, ob es um ein Buch geht, das in Millionenauflagen durch die ganze Welt geht, oder um einen sonst hoch geschätzten Bruder. Es spielt keine Rolle, ob eine neue Lehre von einem Apostel oder sogar durch einen Engel vom Himmel kommt (Galater 1,8); wir sollen sie nicht annehmen, wenn sie nicht der biblischen Lehre entspricht. Der Apostel Paulus war erstaunt, dass die Galater so schnell das Evangelium, das sie doch im Glauben angenommen hatten, verließen, um anderen Lehren zu folgen, die ganz fremd und der Botschaft der Wahrheit entgegengesetzt waren. Auch heute staunen wir, wie schnell und leichtfertig Gotteskinder Dinge übernehmen, die nicht der biblischen Lehre entsprechen. Einer der Gründe dafür ist, dass wir nicht in der Schrift forschen, um zu sehen, ob die Dinge sich so verhalten.
Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Wie zur Zeit des Neuen Testaments besteht heute ein Konflikt zwischen der Wahrheit des Evangeliums und Lehren, die uns in die Abhängigkeit von alttestamentlichen Gedanken bringen, die doch in Christus abgetan sind. Diese Lehren sind nicht neutestamentlich und finden sich dort nicht. Man nimmt bestimmte Schriftstellen, hauptsächlich aus dem Alten Testament, und baut seine eigenen Ideen darauf auf. Solche Art Lehre beraubt uns der Wahrheit, die in Christus Jesus ist, sowie der Freiheit, die wir in Ihm haben (Galater 3,1; 5,1). Sie veranlasst uns, zu der Denkweise des Alten Testaments zurückzukehren, die in Christus abgetan ist und die Er auf Golgatha zum Ziel gebracht hat. Im Innersten stellen diese Lehren einen Angriff auf die Wahrheit des Evangeliums dar – Christus und Ihn als gekreuzigt. Sie entstellen die Wahrheit des Evangeliums und machen uns blind für die wahre Kraft der Predigt vom Kreuz, der nichts hinzuzufügen ist. Sicher ist den Vertretern dieser Ideen oft gar nicht bewusst, dass sie sich in Gegensatz zur Wahrheit stellen. Und doch bleibt ihre Lehre falsch und gefährlich. Paulus kämpfte darum, die Gotteskinder von solchen Lügen zu befreien. Die solches tun, bedrücken die Gemeinde und werden dafür ihr Urteil empfangen (Galater 1,8.9; 5,10-12).
Wir wollen jetzt die Lehre betrachten, nach deren Aussage wir die Sünden des Landes, in dem wir wohnen, bekennen und dafür Buße tun sollten. Nach dieser Lehre trägt Gott nicht nur Leid über die Bosheit in unserem Land, sondern sie hindert Gott daran, das Land und seine Einwohner so zu segnen, wie Er es gern tun würde. Es ist deshalb angeblich unter Seinem Fluch oder Gericht. Deshalb sollten wir die Bosheit in unserem Land bekennen und dafür Buße tun, damit Gott vergeben und Seinen Segen senden könne. Wir sollen also Versöhnung bewirken für unser Land und seine Bewohner. Weiter wird gelehrt, wir müssten Buße tun für die Sünden, die von früheren Generationen begangen wurden – von Einzelnen wie von dem Volk insgesamt -, damit Gott Segen und Erweckung senden könne. Ich spreche von diesen Lehren so, wie ich sie kennen gelernt habe. Sicher wurden (und werden) sie inzwischen weiter entwickelt, und was Menschen lehren und glauben, wird immer unterschiedlich sein. Wir sprechen hier von den grundsätzlichen Gedanken, wie sie in weiten Teilen der Welt von sich reden machten und machen. Persönlich glaube ich, dass diese Ideen sehr schnell und leicht als schriftwidrig zu erkennen sind, aber weil viele so tief greifend davon beeinflusst werden, habe ich mir die Mühe gemacht, die einschlägigen Schriftstellen gründlich zu untersuchen, mit denen sie ihre Ideen zu untermauern suchen. Es soll niemand den Eindruck behalten, diese Lehren wären in irgendeiner Weise biblisch stichhaltig.
Natürlich werden diese Dinge nicht als eigene Idee oder Auslegung präsentiert, sondern als biblische Lehre, die für uns verbindlich wäre. Das ist eine sehr ernste Angelegenheit. Mit welchem Recht legen sie den Christen solche Verpflichtungen auf?
Wir werden sehen, dass es überhaupt keine Berechtigung für diese Lehren gibt. Sie sind eine komplette Erfindung, eine Irreführung, die uns von der Wahrheit und der Kraft des Kreuzes wegführt. Sie verherrlichen nicht Christus und Sein Werk auf Golgatha, sondern Teile des alttestamentlichen Gesetzes, und bringen den Gotteskindern nur Täuschung und Knechtschaft. Nicht einmal im Alten Testament finden wir diese Dinge, obwohl sie sich hauptsächlich darauf berufen, um ihre Lehren zu rechtfertigen. Sie suchen uns auf alttestamentliche Gestalten wie Elia, Jeremia, Jona oder Daniel zu fixieren – deren Vorbild ohne Zweifel wertvoll und lobenswert ist –,anstatt uns mit dem Bild und der Offenbarung Jesu Christi zu konfrontieren, der sie alle überragt, sowohl in Seiner göttlichen Natur wie auch in Seinem Leben und Dienst. Diese Lehren, wenn sie von Fluch und Gericht über Nationen sprechen, führen uns zurück in das alttestamentliche Denken, anstatt von der Tatsache auszugehen, dass das Angebot der Vergebung in Christus Jesus allen Menschen in dieser Zeit der Gnade gilt, und genau das zu verkündigen. Da sie aber sogar das Alte Testament falsch verstehen und interpretieren, führen sie die Menschen schließlich dazu, in abergläubischer Weise zu denken und zu beten. Ich sage nicht, dass wir nicht für gesellschaftliche oder soziale Anliegen beten könnten oder sollten, besonders wenn sie unsere Gesellschaft oder die Ausbreitung des Evangeliums negativ beeinflussen. Darauf kommen wir später noch zurück. Aber diese modernen Ideen gehen weit über das hinaus.
Die Frage ist einfach: Wenn Gott von Seinen Kindern erwartet, dass sie Sünden, die in ihrer Umgebung begangen werden, bekennen oder dafür Buße tun, um Gottes Gericht oder Fluch von dem Land abzuwenden und Seinem Segen die Tür zu öffnen – warum wird das dann nicht im Neuen Testament gelehrt? Warum gibt uns nicht ein einziger Vers entsprechende Anweisung? Diese Dinge werden nicht einmal andeutungsweise erwähnt. Noch einmal: Man will uns weismachen, dass Segen oder Erweckung für unser Land verhindert werden, wenn wir nicht die Sünden der gegenwärtigen und früherer Generationen bekennen und dafür Buße tun! Wie kann etwas, das so wichtig ist für den Erfolg und die Ausbreitung des Evangeliums, in der neutestamentlichen Lehre so vollständig fehlen? Nichts im Neuen Testament lässt uns in diese Richtung denken. Und wir werden sehen, wie diese Lehrer auch das Alte Testament falsch auslegen, um ihre Lehren zu untermauern. Das ist nicht die Art der neutestamentlichen Apostel.
Betrachten wir die Apostelgeschichte. Was ist die Strategie, das Denken, die Lehre der Apostel, während sie durch die Lande ziehen und das Evangelium verkündigen? Wo leiten sie die Christen an, für die Sünden ihres Landes, ihrer Provinz oder ihrer Stadt Buße zu tun, um den Weg für den Segen Gottes frei zu machen? Wo lesen wir, dass die Apostel selbst so gehandelt hätten? Aber genau das ist ihre Lehre – dass Christen die Sünden der Welt bekennen und dafür Buße tun müssten, das heißt für die Sünden der Ungläubigen in ihrer Gegend, einschließlich früherer Generationen. Nirgends in der Apostelgeschichte lesen wir davon. Die Apostel waren in Gottes Auftrag unterwegs und verkündigten den Menschen die Frohe Botschaft: – dass ihnen alle ihre Sünden ohne Gegenleistung vergeben würden durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Menschen bekehrten sich, Gemeinden entstanden und die Christen wurden im Wort unterwiesen. Aber da gab es kein Bekenntnis, keine Buße für die Sünden eines Landes oder einer Gegend durch die Christen (oder sonst irgendjemand!), damit das Evangelium dort überhaupt wirksam werden könnte. Gott segnete die Arbeit der Apostel und tat zahlreiche Menschen zu Seiner Gemeinde hinzu. Das Werk Gottes breitete sich aus und wuchs gewaltig. Es gab echte Erweckungen, ohne dass die Gotteskinder sich mit den Sünden der Ungläubigen um sie herum identifizierten oder dafür Buße taten. Das Evangelium breitete sich in wunderbarer Weise aus durch die Gnade Gottes, ohne dass den Sündern gesagt wurde, sie sollten für die gegenwärtigen oder vergangenen Sünden in ihrer Stadt oder ihrem Land Buße tun, ehe Gott sie wirklich segnen und unter ihnen Seine Kraft erweisen könnte! Jedermann an jedem Ort wurde lediglich aufgefordert, für seine eigenen Sünden Buße zu tun! Wir werden noch sehen, dass dies das Vorbild der gesunden Lehre in der ganzen Bibel ist.
In der ganzen Welt und während der ganzen Geschichte der christlichen Gemeinde gab es Erweckungen und das Evangelium breitete sich aus und fasste Wurzeln, ohne dass die Gotteskinder diese Lehre kannten oder praktizierten. Woher kommt es, dass sie in unseren Tagen plötzlich notwendig wurde für die Gemeinde und für den Erfolg und die Ausbreitung des Evangeliums?
Die Apostel im Neuen Testament haben dies nicht gelehrt!
Wenn diese Lehre im Neuen Testament nicht erwähnt wird, können wir vielleicht daraus schließen, dass es in der Zeit des Neuen Testaments weniger Sünde, Zauberei und Götzendienst gab als heute und dass die Christen zu jener Zeit deshalb diese Lehre nicht brauchten – im Gegensatz zu uns heute? Ganz bestimmt nicht! Das würde wohl niemand behaupten. Sowohl die neutestamentlichen Schriften wie auch andere historische Quellen bezeugen klar und nachdrücklich, dass es in der neutestamentlichen Zeit grobe Unmoral und Sünde, Zauberei, Aberglauben und Gebundenheiten gab. Siehe zum Beispiel Apostelgeschichte 8,9-11; 13,6-8; 17,16; 19,18.19.23-28. Wir wissen auch aus historischen Aufzeichnungen, dass zum Beispiel die Stadt Korinth eine Stätte von ausgeprägter Unmoral war, und das hilft uns zu verstehen, weshalb die Gemeinde in Korinth in dieser Beziehung besondere Unterweisung und Zurechtweisung von Seiten des Apostels Paulus brauchte. In diesem Teil der Welt hatte es viele Kriege gegeben, und auch dadurch hatten viel Ungerechtigkeit dort Eingang gefunden. Dieser Punkt ist so klar, dass er eigentlich keiner weiteren Klärung bedarf.
Und warum sagen die Apostel den Christen nichts von Bekenntnis und Buße für die Sünden früherer Generationen? Waren nicht in verschiedenen Ländern bestimmte Sünden oder Gebundenheiten besonders ausgeprägt? Das ist unbestritten. Aber nirgends weisen die Apostel die Gotteskinder an, zum Beispiel für den Götzendienst in Athen Buße zu tun, oder für die Zauberei und den Aberglauben in Ephesus, oder für die Unmoral in Korinth, oder für die Gewalttaten und die Unterdrückung, die Rom gegen andere Länder und speziell gegen Judäa ausübte. Nirgends finden wir, dass sie den Christen befehlen oder sie auch nur darin unterstützen, »nationale« Sünden früherer Generationen zu bekennen und dafür Buße zu tun. Weder sagen sie den Juden, sie müssten die Sünden ihrer jüdischen Vorfahren bekennen und dafür Buße tun, noch sagen sie den römischen, griechischen oder arabischen Gläubigen oder den Christen irgend eines anderen Landes oder einer anderen Gegend, sie sollten Buße zu tun für die Sünden, die ihr Land in der Vergangenheit begangen hatte. Die Christen in Rom hätten wahrhaft Grund genug gehabt, die Sünden des Römischen Reiches zu bekennen, wenn diese Lehre wahr wäre! Aber sie bekamen keine Anweisung, das zu tun. Es gibt im Neuen Testament nicht einen Vers, nicht eine Ermahnung an Christen, das zu tun. In ihren Tagen gab es so viel Sünde, Götzendienst und Gebundenheit wie in den Generationen davor, so dass die Christen Grund genug und reichlich Gelegenheit gehabt hätten, die Sünden der Menschen in ihrer Umgebung zu bekennen und dafür Buße zu tun – aber sie haben es nie getan. Es bleibt also die Frage: Wenn Buße für die Sünden der Ungläubigen um uns her notwendig wäre für die »Versöhnung« unseres Landes oder für die Ausbreitung des Reiches Gottes, warum geben die Apostel keine Anweisung dazu? Haben sie versäumt, uns etwas zu lehren, was die Gemeinde wissen müsste im Blick auf das gesunde Wachstum und die Ausbreitung des Evangeliums? Wenn die Gemeinde auf dem Fundament Jesu Christi und der Apostel und Propheten aufgebaut ist, wissen diese Lehrer heute etwa mehr als sie? Natürlich würden sie das nicht so sagen oder meinen, aber ich stelle diese Frage, um den gewaltigen Irrtum dieser Lehre sowie die Gefahr, in die solche Lehrer sich selbst bringen, deutlich zu machen. Sie bauen nicht auf Christus. Sie bauen auf ihre eigene Auslegung des Alten Testaments. Sie machen aus dem Glauben an Christus eine Religion des Aberglaubens.
Jesus hat diese Methode nicht gelehrt
Jesus, der Sohn Gottes, hat Seine Nachfolger nirgends, weder in den Evangelien noch in der Offenbarung, angewiesen, so zu handeln. Jesus kam, um den Menschen die Gute Nachricht von der Königsherrschaft Gottes zu verkündigen und sie zur Buße zu führen – um ihrer selbst willen, nicht für andere! Auch hat Er ihnen nie gesagt, sie sollten Sünden der vergangenen Generationen bekennen, als ob sie erst dadurch volle Vergebung und den vollen Segen Gottes empfangen könnten. Bei jedem, der (für seine eigenen Sünden!) Buße tut, zum Herrn umkehrt und ein Kind Gottes wird, können um Golgathas willen die Sünden seiner Vorfahren oder seiner Nation niemals den vollen Segen Gottes in Christus Jesus für diese Person begrenzen oder verhindern. Golgatha bedeutet eine vollkommene Scheidung von Sünde, Gericht und Schuld – und von dem alten Adam einschließlich unserer eigenen Vergangenheit sowie aller Verknüpfung mit unseren Vorfahren bis hin zu eben diesem Adam. Preis sei Gott! Gottes Kinder sind nicht Gebundene auf Grund von Sünden der Vorfahren, wenn sie denn in Christus sind! Nichts dergleichen wird von Jesus oder den Aposteln gelehrt; siehe 2.Korinther 5,17. Diese Gedanken sind weder in Übereinstimmung mit den Worten noch mit dem Geist Christi.
Das Wort Gottes kommt zum Menschen um seiner selbst willen, überzeugt ihn von seiner Sünde und führt ihn zur Buße (Markus 1,14.15; 2,17; Er ruft die Sünder selbst zur Buße, nicht Heilige für die Sünden der Sünder!). Und bis heute kommt das Wort Gottes persönlich und direkt zu jedem Menschen und überzeugt ihn von seiner eigenen Sünde (Lukas 13,1-5; Apostelgeschichte 2,38; 3,19; 8,22; 17,30; 26,20). Wie kommen Menschen zur Erkenntnis ihrer Sünde, um Buße zu tun und im Glauben zu Gott umzukehren und Vergebung ihrer Sünden zu erlangen? Wie kann dieser Segen und die Gnade Gottes sie erreichen? Durch das Hören des Wortes Gottes mit ihrem eigenen Herzen (Römer 10,10-17)! Ja, Jesus fordert Seine Jünger zum Gebet auf – aber nicht für die Sünden der Sünder in den Städten Judäas und darüber hinaus, sondern vielmehr, dass der Herr der Ernte Arbeiter in Seine Ernte sende, um das Reich Gottes zu verkündigen, so dass Sünder das Wort Gottes hören, zum Glauben kommen und Buße tun. Er lehrt sie auch beten, dass das Reich Gottes komme und dass Sein Wille auf Erden geschehe, wie er im Himmel geschieht, und dass der Vater uns vergebe, wie wir bereit sind zu vergeben. Aber nirgends im Neuen Testament – oder irgendwo in der Bibel – werden wir aufgefordert, Sünden der Ungläubigen zu bekennen oder für sie Buße zu tun, um eine Art von Sühne oder Versöhnung für sie zu erreichen, die es Gott ermöglicht, sie zu segnen! Jesus kann Gericht über Kapernaum ankündigen, und Er kann weinen über Jerusalem um ihrer harten Herzen willen, dass sie nicht auf Gottes Wort hören und sich zur Buße führen lassen, aber Er bittet seine Jünger nicht, die Sünden dieser Menschen zu bekennen und für sie Buße zu tun.
Beachten wir, dass der Herr auch in Offenbarung 2,8-11 die Gemeinde in Smyrna nicht bittet, zu beten und Buße zu tun für die Sünden der Menschen, die dort zu der Synagoge Satans gehören, damit Gott dieser Stadt Vergebung und Segen schenken könnte! Noch einmal: Nirgends in der ganzen Bibel werden die Gotteskinder dazu aufgefordert.
Andere gehen in ihrer Lehre sogar noch weiter und fordern die Gotteskinder auf, Buße zu tun für die Sünden in ihrer Stadt oder ihrem Land – wie Zauberei, Unmoral oder Trunksucht – und diese Sünden so zu bekennen, als hätten sie, die Gotteskinder, selbst diese Sünden begangen! Die Gläubigen werden aufgefordert, sich mit den Sünden der Ungläubigen zu identifizieren, als wären es ihre eigenen Sünden! Dann sollen sie das Blut Jesu dafür in Anspruch nehmen, um Versöhnung zu bewirken und für diese Sünden Vergebung von Gott zu erlangen! Aber das Blut Jesu steht nur dem gläubigen Herzen zur Verfügung. Du kannst es nicht durch dein Gebet für einen unbußfertigen Sünder in Anspruch nehmen! Das ist einfach Aberglaube. Du kannst nicht die Stelle Christi einnehmen; Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen. Jesus hat sich auf Golgatha bereits vollkommen und endgültig mit den Sünden der ganzen Welt identifiziert. Seitdem ist volle und freie Vergebung bereit für alle, die dem Evangelium glauben. Versuchen wir nicht, dem Werk Gottes in Christus etwas hinzuzufügen!
Was davon zu halten ist, dass diese Lehrer ihre Beispiele fast ausschließlich dem Alten Testament entnehmen, werden wir später sehen. Aber wie wir bereits gesehen haben, dass diese Ideen im Neuen Testament keine Grundlage haben, so werden wir auch im Alten Testament keine Spur davon finden. Wir können in der Tat mit Paulus ausrufen: »O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte?« (Galater 3,1).
Diese Lehren sind tatsächlich wie eine Zauberei. Am Ende glauben die Leute Dinge, die nicht nur gegen die Schrift sind, sondern auch gegen den gesunden Menschenverstand. Sie üben einen faszinierenden Einfluss aus auf viele Gotteskinder, die diesen Lehren folgen, ohne die zitierten Schriftstellen zu prüfen, und so werden sie blind für die Wahrheit und die Kraft des Evangeliums. Die Lehren scheinen plausibel zu sein, weil die Lehrer bestimmte, sorgfältig ausgewählte Schriftstellen zitieren (aber wie bei den Galatern, so auch heute hauptsächlich aus dem Alten Testament), die vielleicht einen Aspekt der Wahrheit aufzeigen, der zu jener Zeit Bedeutung hatte, aber dann fügen sie ihre eigenen Ideen hinzu. Und das ist die Gefahr und die Raffiniertheit solcher Irrlehren, nämlich dass sie Schriftstellen anführen – aber dabei ignorieren sie viele anderen – und so den Anschein von Wahrheit haben. Aber sie legen diese Verse auch noch falsch aus, indem sie ihre eigene Meinung hineinlegen. Was dabei herauskommt, ist weit von der Wahrheit entfernt und verkehrt sie schließlich ins Gegenteil. Sie ignorieren das Gesamtzeugnis der Schrift und bauen so ihr eigenes Lehrsystem auf. Tatsächlich fangen sie gar nicht bei der Bibel an. Sie behaupten, sie hätten eine besondere Offenbarung oder einen besonderen Dienst – einen apostolischen Dienst – von dem Herrn. Sie beginnen mit ihren eigenen Ideen, die sie als plausibel und biblisch hinstellen, und suchen dann Bibelverse, die ihre Lehren zu unterstützen scheinen. Und wenn sie keine ausreichende Unterstützung in der Bibel finden, beginnen sie ihre eigenen Meinungen in die Verse, die sie ausgewählt haben, hineinzuinterpretieren. Viele sind irregeführt worden, weil sie die Schriftstellen nicht prüfen und die Klarheit und Einfachheit des Evangeliums vergessen, wie sie es am Anfang empfangen haben.
Das Alte Testament im Allgemeinen
Jetzt wollen wir die Schriftstellen des Alten Testaments betrachten, das ohne Zweifel inspiriertes Wort Gottes für uns ist. In ihm finden wir die Art und Weise, wie Gott mit den Menschen handelt und im Besonderen mit Seinem auserwählten Volk Israel – und den Bund, den Er mit ihnen aufgerichtet hat. Vor allem aber stellt es im Voraus die Erlösung und das Heil dar, das Gott in Christus allen Menschen anbieten wollte. Die typologische Darstellung Christi und des Heils, das Er offenbaren würde, nimmt einen breiten Raum im Alten Testament ein. Viele Aspekte im Leben Josephs zum Beispiel stellen Christus dar; Mose, der das Volk Israel durch das Rote Meer führte, ist ein Vorbild für die Taufe in den Namen Jesu. Aber um den Neuen Bund aufzurichten und Menschen tatsächlich unter die geistliche Königsherrschaft Gottes zu bringen, musste Gott Christus selbst senden. Er musste kommen, um am Kreuz zu sterben. Ehe Christus auf Golgatha die Sünde der Welt wegtrug (Johannes 1,29), konnte selbst Gott keinem Menschen Zugang zu dem wahren geistlichen Leben verschaffen, konnte niemand die Kraft eines Lebens unter Seiner göttlichen Herrschaft schmecken oder in Sein Reich hineingeboren werden. Das Alte Testament gibt uns äußerlich sichtbare Bilder für das, was Gott auf geistlicher Ebene inwendig in uns tun wollte! Der Tod Jesu Christi auf Golgatha ist wahrhaftig das bedeutsamste Ereignis in der Geschichte, wenn nicht in der Ewigkeit! Sein Tod veränderte die Dinge in grundlegendster Weise. Er rief aus: »Es ist vollbracht!«, und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Teile. Damit wurde gezeigt, dass Menschen durch den Glauben an Christus jetzt im Geist durch das Blut Jesu das Allerheiligste betreten konnten. »Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden« (Johannes 1,17). Gott hat sich nicht verändert, in keiner Weise. Seine Barmherzigkeit und Gnade einerseits wie auch Seine Gerechtigkeit und Seine Gerichte sind wunderbar dargestellt in Seinem Handeln mit Seinem Volk des Alten Bundes. Aber jetzt, auf Grund von Jesu Tod auf Golgatha, hat die Beziehung zwischen Gott und Mensch eine fundamentale Veränderung erfahren. Jesus war das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegtrug. Gott hatte die Sünde im Fleisch verdammt und so ihre Kraft im Leben des Menschen gebrochen. Jesus Christus trug die Verdammnis des Menschen für diese Sünden weg. Auf dieser Grundlage kann Gott uns volle und freie Vergebung anbieten und uns Leben schenken – ewiges Leben! – durch Seinen Geist und Seine Gerechtigkeit (Römer 8,1-4). Am Kreuz tat Gott, was das Gesetz nicht tun konnte, und gab denen, die an Christus glauben, das Recht, Kinder Gottes zu werden und in Seine Gegenwart zu kommen.
So haben sich unter anderem zwei Dinge grundsätzlich geändert in dem, was Gott für uns und was Er in uns tut. Zum Ersten gewinnt der Mensch jetzt durch den Glauben Anteil an der Gerechtigkeit Gottes, und zwar durch den Reichtum Seiner Gnade und nicht durch die Werke des Gesetzes, und das gibt uns das Recht, Seine Kinder zu werden. Zweitens: Weil Gott sowohl die Sünde wie auch die Feindschaft des Gesetzes entfernt hat (Epheser 2,15; Kolosser 2,14), ist jetzt wahre geistliche Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch möglich. Er macht uns zu Seinen Kindern, indem Er uns den Geist Seines Sohnes Jesus Christus gibt, der in uns Wohnung macht. Unser Leben spiegelt dann Seine Natur in einer Weise wider, wie es im Alten Testament nicht möglich war (2.Petrus 1,3.4). Wenn wir nun wieder anfangen, Teile des Gesetzes halten zu wollen, wie es die Galater taten, dann verleugnen wir damit unseren Glauben an Christus und das Heil, das Er für uns erworben hat. Wenn wir die alten Verhaltensweisen wieder aufnehmen, verleugnen wir damit die Offenbarung Seiner Natur in unseren Herzen.
Im Alten Testament mussten die neugeborenen Söhne beschnitten werden; das war Bestandteil des Bundes zwischen Gott und Seinem Volk. Für uns ist es ein Typus oder Vorbild für das inwendige geistliche Werk, das Christus in denen tut, die an Ihn glauben (Kolosser 2,1). Wenn nun jemand glaubt, dass er zusätzlich zum Glauben an Christus äußerlich beschnitten werden müsste, um gerettet zu werden, würde er damit seinen Glauben an Christus und das Heil, das Er anbietet, verleugnen (Galater 5,3-6). Wie töricht ist es, die Substanz aufzugeben, um sich mit ihrem Schatten zu begnügen (Hebräer 10,1)! Kannst du den Schatten eines Bundes Bananen essen? Kann der Schatten deinen Hunger stillen und dich am Leben erhalten? Die Bananen wachsen am Baum. Ihr Schatten fällt auf die Erde. Versuche den Schatten zu essen – im besten Fall wirst du trockenen Staub in den Mund stecken. Und genau das tut diese Lehre: sie gibt das geistliche Leben für fleischliches auf; himmlisches für irdisches. Wenn jemand zwar glaubt, dass Jesus Gottes Sohn ist und dass er Vergebung durch Sein Blut hat; wenn er manche anderen Wahrheiten glauben mag – wenn er zu dem, was Christus getan hat, etwas hinzufügt; wenn er uns zu dem zurückzuführen sucht, was in Christus durch Sein Kommen abgetan oder erfüllt ist, dann verleugnet dieser Mensch mit seinem Verhalten praktisch das Heil in Christus. Christus und der Glaube an Ihn haben für diese Person ihren Wert verloren (Galater 4,11.19.20; 5,3.4). Wenn er meint, er folge noch Christus nach, täuscht er sich selbst (Galater 3,1). Ein solcher Mensch bringt das Alte und das Neue Testament vollständig durcheinander. Er verwechselt das Äußerliche mit dem Inwendigen; den Schatten mit der Wirklichkeit; das Fleisch mit dem Geist; das Irdische mit dem Himmlischen. Es ist das gleiche wie wenn Christen meinen, sie müssten die Feste des Alten Testaments halten – sie verleugnen damit den Glauben! Wenn wir bedenken, welch ein gewaltiges Werk Gott in Christus Jesus für uns getan hat, müssen wir uns nicht wundern, dass der Apostel Paulus über die Galater von Herzen betrübt war und durch Gebet und Unterweisung darum kämpfte, sie von ihrer Torheit und dem Betrug, dem sie anheim gefallen waren, zu befreien!
Bestreichst du deine Türpfosten mit Blut, um dem Gericht Gottes zu entgehen? Nimmst du einen Ochsen oder eine Ziege oder einen Widder mit zur Kirche, um ein Opfer für deine Sünden zu bringen? Vielleicht lächelst du angesichts dieser Vorstellung; aber ähnliche Irrtümer werden heute gelehrt und machen ihren Weg. Menschen befassen sich damit, Sünden vergangener Generationen zu bekennen und dafür Buße zu tun; sie wollen das Blut Jesu für diese Sünden in Anspruch nehmen! Menschen wollen uns zu alttestamentlichem Denken und Handeln zurückführen – und viele Gotteskinder nehmen diese Lehren an und folgen ihnen. Zu dieser Art von Irrtümern gehören die Lehren, die wir in diesem Artikel betrachten.
Was wir bisher gesagt haben, hat mit dem zu tun, was Gott in Christus für uns getan hat – dem Weg der Erlösung. Wie steht es mit dem, was Gott in und durch uns tut – dem Dienst und dem Wandel der Christen? Findet im Neuen Testament eine Fortsetzung, was im Alten Testament begonnen hat? In manchen Dingen wohl. Aber um Christi und Seines Werkes willen erkennen wir einen radikalen und fundamentalen Wechsel. Beachte die Bergpredigt in Matthäus 5 bis 7. Würdest du jemandem die Zähne ausschlagen, weil er das gleiche vorher mit dir getan hat? Würdest du eine Stadt mit dem Schwert schlagen, weil ihre Einwohner ungläubig sind? Würde deine Gemeinde ein Mitglied steinigen, weil es Ehebruch begangen hat? Oder würdest du Gott bitten, Feuer vom Himmel zu senden auf diejenigen, die Ihm widerstehen? Alle diese Dinge werden im Alten Testament entweder erlaubt oder sogar angeordnet. Wir wollen, können und dürfen nichts dergleichen tun, weil wir durch den Heiligen Geist wiedergeboren sind, und nichts von diesen Dingen ist in Übereinstimmung mit Seiner Natur in uns oder dem Bund, in den Er uns eingesetzt hat.
Wir mögen meinen, dass dies alles sehr klar und einfach ist. Aber denke an Jakobus und Johannes, die sehr wohl Verständnis hatten für die Kraft, die für sie in der Nachfolge Jesu lag. Trotzdem musste Jesus sie scharf zurechtweisen, als sie Ihn fragten, ob sie Feuer vom Himmel fallen lassen sollten auf die Samariter, die Ihn nicht aufnehmen wollten. Er fragt sie, ob sie nicht wissen, welches Geistes Kinder sie seien! Sie missverstanden sowohl die Natur wie auch den Auftrag des Sohnes Gottes! Und wenn wir nicht im Geist Christi und in Übereinstimmung mit Seinem Wort wandeln, werden wir denselben Fehler machen. Und so geschieht es heute. Menschen missverstehen die Natur Christi und Sein Heil ebenso wie den Dienst der Gemeinde. Entsprechend ihren Vorlieben oder ihren persönlichen Neigungen wählen diese Lehrer solche Schriftstellen aus dem Alten Testament aus, die sie glauben möchten, weil sie zu ihren Ideen passen. Sie entwerfen ein Bild von Gott, das auf ihre eigenen Vorstellungen zurückgeht, die sie mit bestimmten alttestamentlichen Schriftstellen verknüpfen. Sie entwerfen eigentlich ihren eigenen Gott; das ist Götzendienst, der das Bild Gottes, das uns in Jesus Christus offenbart ist, untergräbt. Die Folge ist, dass sie nicht das Evangelium und den unausforschlichen Reichtum Jesu Christi verkündigen, sondern stattdessen den Menschen sagen, dass der Fluch und das Gericht Gottes auf ihnen und ihrer Stadt liegt und dass sie Buße tun müssten für die Sünden (anderer Menschen) in ihrer Stadt oder Nation, damit Gott Sein Gericht abwenden und Segen senden könnte. (Manche von ihnen atmen fast Feuer und Gericht aus, wie es Jakobus und Johannes gern getan hätten.) Aber wie lange ist solche Buße fortzusetzen? Wie können wir wissen, wann unsere Buße die Sühnung für die Sünden der Nation erwirkt hat? Wie wissen wir, dass wir alle Sünden erfasst haben, die bekannt werden müssen? Wer kann sagen, wann dieser Fluch und dieses Gericht durch solche Buße jetzt abgewandt ist?! Das sagen diese Prediger eigentlich nie. Sie sprechen nur von Buße und Buße und Buße für alle Arten von Sünden, die sie und ihre Mitarbeiter in der Umgebung ihrer Zuhörer aufgedeckt haben! In manchen Ländern sind sie besonders interessiert an okkulten Praktiken und Zauberei, und sie veröffentlichen ihre »Suchergebnisse« in Artikeln und Gebetsbriefen bis in die Einzelheiten. Sie konzentrieren sich auf diese Dinge und erfüllen die Gedanken der Gotteskinder mit diesem unerbaulichen Material, das lediglich dazu dient, das Werk des Teufels zu verherrlichen, anstatt das Evangelium zu fördern oder Segen zu bringen. Das ist eine Tragödie; die Zuhörer werden in Unkenntnis gehalten bezüglich Christus und Seinem Heil, Seiner göttlichen Natur und Seinem Auftrag. Ich bitte mich nicht misszuverstehen. Ich sage nicht, wir sollten nicht beten für das, was in unserer Stadt oder Wohngegend geschieht. Ich spreche von diesen schriftwidrigen und abergläubischen Ideen, die diese Lehrer mit dem wahren Evangelium vermischen und so die Leute durch ihre Lehren in Bindungen und Finsternis bringen. In unseren Tagen sollten wir wirklich traurig und betrübt sein über das, was um uns her und in vielen Gemeinden geschieht, und wir wollen uns demütigen vor Gott und beten, dass Er auf Grund des Reichtums Seiner Barmherzigkeit und Güte die Herzen zu Ihm kehren und Menschen zur Buße führen möge. Aber das ist etwas ganz anderes als diese abergläubische Art des Betens, von der hier die Rede ist.
Das Alte Testament: Daniel und das Gebet für die Sünden der Nation
Wir wollen jetzt auf die alttestamentlichen Schriftstellen eingehen, die uns zeigen, dass diese Lehren dort überhaupt nicht zu finden sind! Wo finden wir es im Alten Testament, dass Gott oder einer der Propheten Sein Volk ermahnt, die Sünden von Ungläubigen oder einer anderen Nation zu bekennen und dafür Buße zu tun? Oder wo haben wir ein Beispiel im Alten Testament, dass jemand so gehandelt hätte? Das Ergebnis ist gleich Null!
Der viel zitierte Daniel lebte in Babylon, aber wir finden ihn nirgends im Gebet, Bekenntnis oder der Buße für die Ungerechtigkeiten dieser Stadt. Nirgends im Alten Testament finden wir, dass das Volk Gottes für die Sünden von Ungläubigen Buße tut mit dem Ziel, Gottes Fluch abzuwenden und Segen und Vergebung von Ihm zu erlangen. Hat denn Gott andere Menschen oder Völker von Seinem Segen ausgeschlossen? Nein. Im Alten Testament finden wir das gleiche wie im Neuen Testament: Gott sendet Sein Wort und ruft Menschen zur Buße für ihre Sünden – für ihre eigenen Sünden! Sie selbst müssen Buße tun für ihre Sünden, und dann erzeigt sich Gott überströmend barmherzig und gnädig, und Sein Segen folgt sofort! Aber Zurückweisung des Angebots Gottes zieht Gericht nach sich. Wohl geschieht es durch Glauben, Zeugnis, Liebe und Gehorsam des Gottesvolks des Alten Bundes, dass der Name des Herrn unter den Nationen verherrlicht wird und dadurch Heiden sich dem Volk Gottes zuwenden oder zum Glauben an Gott kommen. Aber dass Gottes Volk die Sünden einer heidnischen Nation bekennen würde als Voraussetzung dafür, dass Gott diese Menschen oder diese Nation segnen könnte, ist eine menschliche Erfindung; eine irreale Vorstellung, die weder im Neuen noch im Alten Testament zu finden ist. Noch einmal: Ich sage nicht, dass es falsch wäre, für andere zu beten. Es geht hier vielmehr um diese Idee, dass das Volk Gottes für die Sünden der Ungläubigen Buße tun sollte, um dadurch Versöhnung für sie zu erlangen. Das wird in der Bibel nicht gelehrt.
Wenn wir auf diese Weise Vergebung und Versöhnung erwirken könnten, wäre damit auch die Vergebung, die Jesus Christus durch Sein Sterben auf Golgatha für die ganze Menschheit erworben hat, wirkungslos gemacht. Es wäre vergeblich gewesen, dass Er sich derart mit der Sünde der ganzen Welt identifiziert hat, dass alle diese Sünden auf Ihn gelegt wurden und Er sie vollständig und für immer weggetragen hat, Johannes 1,29; Römer 5,8-10; 2.Korinther 5,19-21; 1.Johannes 2,2! Das ist der Weg in dieser Zeit der Gnade; diese Frohe Botschaft gilt allen völlig frei und ohne Vorbedingung. In diesen Schriftstellen wird uns gesagt, dass Christus für uns starb, während wir noch Sünder waren, und dass wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod Seines Sohnes, als wir noch Feinde waren. Das sind wunderbare Worte, die von unserer freien Erlösung zeugen. Gott ergriff die Initiative; Er tat den ersten Schritt, um mit allen unseren Sünden fertig zu werden, während wir noch Sünder waren; lange bevor wir danach fragten oder es im Glauben erfasst hatten. Warum wird uns gesagt, wir sollten Buße tun für diese Sünden der Ungläubigen, wenn Christus schon für sie gestorben ist? Christus hat sie alle weggetragen. Das und nur das allein ist für jeden Sünder die Grundlage, auf der er Erlösung und ewiges Leben erlangen kann. Deshalb heißt es, dass Gott uns um Christi willen unsere Sünden nicht mehr vorwirft! Auf Golgatha wurde das Erlösungswerk vollbracht. Nun liegt es an jedem Menschen, dieses Evangelium im Glauben anzunehmen und Buße zu tun, so dass er die wunderbare Gnade Gottes kennen lernt und persönlich in Empfang nimmt. Gott hat Seinerseits schon alles getan – wunderbar und voller Güte; unser Teil ist es jetzt, diesem Evangelium zu glauben und Buße zu tun für unsere eigenen Sünden und diese freie Vergebung in und durch Christus zu empfangen. Es steht uns nicht zu, die Sünden anderer erneut zum Leben zu erwecken, für die doch Christus gestorben ist und schon die Versöhnung empfangen hat. Sollte das so unvollkommen geschehen sein, dass wir erneut für die Sünden anderer Buße tun und Versöhnung erwirken müssten? Wenn wir das tun, stellen wir unsere Gebete, unsere Buße für andere Menschen und Völker an die Stelle Christi und Seines Sterbens für sie. Er hat für alle genug getan!
»Unsere« Lehrer gehen noch einen Schritt weiter, wenn sie von »nationalen, gemeinschaftlichen Sünden« sprechen. Auch dafür, was immer damit gemeint ist, wäre der Tod Jesu nicht ausreichend gewesen, wenn dafür – nach ihren Worten – das »identifizierende Gebet« der Gemeinde notwendig wäre; eine Art Gebet, in dem die Gläubigen sich »identifizieren« mit den Sünden ihres Wohnorts oder ihres Landes, um das zu erwirken, was sie Versöhnung für die Nation nennen, die Jesus wohl offensichtlich am Kreuz nicht vollbringen konnte! Tatsächlich bringen es einige von ihnen so zum Ausdruck. Ihre Einbildungskraft führt sie immer tiefer in Irrtum und Täuschung. Es gibt keine solche Lehre im Neuen Testament. Wie die Irrlehrer in den Gemeinden in Galatien sagen sie im Blick auf die Erlösung nicht: »Nur Jesus, der Gekreuzigte.« Wie die Galater sagten: »Jesus und die Beschneidung«, so sagen diese Lehrer: »Jesus und identifizierendes Bekenntnis und Buße« als Voraussetzung für das Heil der Menschen. So haben sie eine Erlösung in zwei Stufen erfunden. Ja, sagen sie, Golgatha ist unentbehrlich – aber ebenso braucht es die »identifizierende Buße«, um eine Nation mit Gott zu versöhnen!
Wenn sie jedoch noch weiter gehen und sagen, dass diese Art von Bekenntnis und Buße für die Sünden eines Volkes noch nicht Gott veranlassen, diesem Volk ihre Sünden zu vergeben, sondern überhaupt erst den Weg für das Evangelium der Gnade ebne, damit dieses Volk in die Lage versetzt wird, den Segen des Evangelium annehmen zu können, dann ist das schon Betrug, weil eben diese Art von Bekenntnis und Buße in der Schrift nicht gelehrt wird, wie wir oben bereits gesehen haben. Die Wahrheit wird verzerrt, die Kraft und Einfachheit des Evangeliums wird für die Gläubigen wie für die Sünder verzerrt – man stiftet Verwirrung im Blick auf das Evangelium für die Völker und bringt insgesamt eine abergläubische Haltung hervor.
Aber manche von ihren Schreibern sagen, das Bekennen der nationalen Sünden mit der Bitte um Vergebung bedeute, dass Satan diese Menschen nicht länger anklagen könne, und deshalb könne er sie nicht von der Gnade Gottes ausschließen oder verhindern, dass sie das Evangelium hören und verstehen! Sie behaupten, dass der Teufel ein legales Recht habe, die Menschen in Finsternis und Gebundenheit zu halten, bis wir die Sünden unserer Nation bekennen. Ich denke, wenn jemand das glaubt, dann gibt es nichts, was er nicht glauben könnte! Wie? Der Teufel hätte das Recht, ein Land von der Gnade Gottes fernzuhalten und zu verhindern, dass sie das Evangelium hören und annehmen, bis die Gemeinde die Sünden dieses Volkes bekennt und Versöhnung für sie erlangt? Was für ein gewaltiger Irrtum. Welch ein Angriff auf Golgatha! Es ist Christi Tod und Auferstehung und Sein vergossenes Blut, die mit den Sünden der Menschheit abrechnen und dem Teufel sein Recht und seine Kraft entziehen. Es ist nicht unsere »bekennende Buße« für andere, die das tut. Seit Golgatha ist es nicht Gottes Absicht, den Menschen ihre Übertretungen zur Last zu legen, sondern ihnen das Wort von der Versöhnung zu bringen (2.Korinther 5,19)! Er hat die Tür weit geöffnet! Jesus hat auf Golgatha einen Weg geschaffen und der Teufel hat kein Recht, einer Seele die Gnade Gottes vorzuenthalten, außer diese Seele selbst widersteht dem Wort Gottes. Wo im Neuen Testament wird uns gezeigt oder werden wir gelehrt, dass die Gemeinde die Sünden ihrer Stadt oder ihres Volkes bekennen müsste, um Versöhnung für diese Sünden zu erlangen, ehe Gott sie mit der Botschaft von Seiner Erlösung segnen könnte? Ich sage nicht, dass wir nicht beten sollten für die Ausbreitung des Evangeliums oder für die Rettung der Menschen durch die Gnade Gottes – das betone ich immer wieder; und ich sage nicht, dass wir nicht betrübt sein sollten – und uns dadurch ins Gebet treiben lassen sollten – um der maßlosen und groben Sünden willen, die in unserer Umgebung herrschen; aber ich betone, dass es eine abwegige und unbiblische Vorstellung ist, wir könnten durch diese Art des Gebets die Voraussetzung schaffen für die Vergebung der Sünden unseres Volkes – Sünden der Vergangenheit oder der Gegenwart. Wir finden dafür keinerlei Vorbild oder Anhaltspunkt im Neuen Testament.
Um nun mehr in die Einzelheiten zu gehen: Es wird gesagt, weil Daniel die Sünden seines Volkes bekannte (Daniel 9), sollten auch wir die Sünden unseres Volkes bekennen und dafür Buße tun. Gemeint ist das Land, in dem wir leben und zu dem wir nach menschlichem Maßstab gehören. Kein anderes Beispiel zeigt deutlicher, wie die Leute, die diese Lehre vertreten, das Natürliche mit dem Geistlichen vermischen, die Welt mit der Gemeinde; wie sie ihre eigenen Ideen in die Schrift hineinlesen und nicht beachten, was die Bibel wirklich lehrt. Daniel war ein Israelit, der für das Volk Israel betete. Aber im Alten Testament war Israel das Volk Gottes, und es war identisch mit der Gemeinde, und Daniel gehörte zu dem Volk Gottes, und für dieses betete er – für das Volk Gottes! Das ist das Beispiel eines Mannes Gottes – eines Gläubigen –, der für das Volk Gottes (= die Gemeinde!) betete und eintrat, und Daniels Eintreten hat zu tun mit dem Bund zwischen Gott und Seinem Volk und wie das Gottesvolk diesen Bund gebrochen und sein Erbe verloren hat. Es hat nichts zu tun mit einem Gläubigen, der die Sünden Ungläubiger bekennt! Daniel betet nicht für die Sünden Babylons oder seiner Bevölkerung!
In ähnlicher Weise zitiert man Verse wie Hesekiel 22,30 und will damit sagen, dies beziehe sich auf den Dienst der Gemeinde, für die Sünden des Landes zu beten, in dem wir leben! Aber wieder bezieht sich dieser Vers auf das Volk Gottes! Gott sucht jemanden unter Seinem Volk, der Leid trägt über den Zustand des Volkes Gottes (= der Gemeinde!) und dem so viel an Gottes Ehre und Herrlichkeit liegt, dass er vor Gott eintritt für den furchtbaren Zustand Seines Volkes, mit dem Er Seinen Bund geschlossen hat. Aber um ihre Lehre zu rechtfertigen, missverstehen sie alle diese Aussagen der Bibel, indem sie ihre Bedeutung von der Gemeinde (Gottes erlöstes Volk des Alten Bundes) auf die Welt umdeuten, als wäre das das Gleiche oder könnte als das Gleiche angesehen werden! Obwohl wir natürlich beten können und sollen für die Gesellschaft, in der wir leben (siehe zum Beispiel 1.Timotheus 2,1.2) – und wir werden darauf zurückkommen –, hat diese Lehre und was sie uns einreden will, keinerlei biblische Grundlage. Es gibt im ganzen Neuen Testament schlichtweg kein Beispiel dafür. Deshalb zitieren sie vor allem das Alte Testament – aber selbst darin ist das Ergebnis ein totales Missverständnis des Wortes Gottes und eine Vermischung der Testamente, und im Besonderen verstehen sie überhaupt nicht, was der Neue Bund überhaupt bedeutet.
So schreibt einer ihrer Vertreter, dass Städte und Länder »geistliche Körperschaften« repräsentieren, und ihr geistlicher Fortschritt werde durch ihre Sünden blockiert. Nach diesen Schreibern wäre jeder dieser Körperschaften eine Gemeinde gegeben, die sie vor Gott vertritt und das Land in die Buße und zur Versöhnung führt! Bezüglich der Länder und Städte gebraucht dieser Schreiber Begriffe wie »die Jungfrau Frankreich« oder »Tochter New York« und meint damit diese »Körperschaften«. So verwenden sie Begriffe, die Gott bezüglich Seines auserwählten Volkes gebraucht (»die Jungfrau Israel«, »Tochter Zion«), mit dem Er Seinen einzigartigen Bund aufgerichtet hatte, und für das Er und Seine Knechte eintreten. Und diese Schreiber beziehen das auf Länder und Städte der gegenwärtigen Welt! Als ob eine heutige Nation oder Stadt als Gottes Volk angesehen werden könnte, die gegen Ihn gesündigt hätten wie das Volk Israel im Alten Testament, und als ob die Gemeinde heute für diese Stadt oder Nation beten könnte, als wären sie Gottes Volk! Ist etwa Großbritannien oder Tansania Gottes Volk?! Und sollte die Gemeinde des Herrn wie ein alttestamentlicher Prophet auftreten und einer solchen Stadt oder Nation durch ihr (der Gemeinde) Bekenntnis und ihre (der Gemeinde) Buße Versöhnung für ihre Sünden zusichern?! Das ist eine furchtbare Vermischung und Täuschung und beraubt die Gemeinde ihres wirklichen Auftrags. Wie wir bereits gesagt haben, ist Einsatz und Gebet für die Gesellschaft, in der wir leben, biblisch und angebracht. Aber wir sollten uns dabei an das halten, was die Schrift lehrt, anstatt diesen Irrwegen zu folgen. (Es gibt einen Vers im Alten Testament, der den Begriff »Jungfrau« für eine säkulare Stadt gebraucht, nämlich für Babylon in Jesaja 47,1; aber hier geht es ausdrücklich um Gericht, nicht um Fürsprache! Und wirklich in der ganzen Bibel ist Babylon ein Symbol entweder für weltliche Herrschaft oder den Teufel, über den Gottes Gericht kommt; lies dazu Jesaja Kapitel 13 und 14, hier besonders die Verse 4-24. Und das erklärt auch die Sprache von Jesaja 47,1. Nirgends in der Bibel werden Bekenntnis und Buße vollbracht um ungläubiger Menschen willen entsprechend dem Beispiel Daniels oder irgendeines anderen Propheten, die für Gottes Volk beteten! Solche Gedanken schaffen eine völlige Verwirrung zwischen Welt und Gemeinde!)
Stellen Sie sich vor: Weil ich Engländer und Christ bin, sollte ich die Sünden Englands bekennen, wie Daniel diejenigen Israels bekannte? Sollte ich Buße tun für das, was die Engländer den Australiern, den Franzosen, den Spaniern, den Iren und vielen anderen im 20. Jahrhundert angetan haben, sowie für das, was England vor 100, 200, 500 und 800 Jahren getan hat? Wo hört das auf? Das wäre ja eine nie endende Aufgabe! Und tatsächlich lehren einige, wir müssten sorgfältige historische Forschungen anstellen bezüglich aller wichtigen Sünden und Ungerechtigkeiten, die das Land, in dem wir leben, begangen hat, denn wenn wir es nicht tun und dem Volk dadurch keine Buße für seine Sünden zuteil wird, würde Gottes Gericht auf unserem Land bleiben und der Segen Gottes und echte Erweckung durch unsere Unterlassung verhindert! Was für ein Betrug! Und wenn wir fragen, wie weit wir in der Geschichte zurückgehen sollten, so sagen diese Lehrer tatsächlich, wir müssten zurückgehen bis zu dem Zeitpunkt, als unser Land oder unsere Nation gegründet wurde, um so all die großen Schandtaten zu entdecken, die seit jener Zeit bis heute dort begangen wurden!! Dann könnten wir ja gleich bis zu Adam zurückgehen und Buße tun für jede Sünde, die bis zum heutigen Tag in der Menschheit jemals begangen wurde. Das wäre die letzte Konsequenz des vollständigen Irrtums und Betrugs in ihrer Meinung, wir könnten durch unser »identifizierendes« Gebet Sühne bewirken für die Sünden der Menschheit, die doch Jesus schon am Kreuz weggetragen hat! (Manche von ihnen scheinen im Grunde schon zu erkennen, auf welch unbiblischer Grundlage sie stehen. So versuchen sie zwischen »persönlichen« und »gemeinschaftlichen« Sünden zu unterscheiden. Sie sagen, Golgatha sei wohl ausreichend für die Sünden der einzelnen Menschen, aber für die gemeinschaftlichen Sünden sei dieses weiter gehende identifizierende Gebet nötig. – So müssen sie um ihrer eigenen abwegigen Gedanken willen weitere Gedankengänge erfinden, um ihre unbiblischen Ideen aufrecht erhalten zu können.) Wo finden wir im Neuen Testament, dass Gott ein Volk als Ganzes bittet, Buße zu tun? Das ist ein weiterer Irrtum und Betrug, nämlich dass sie lehren, Gott erwarte in dieser Zeit der Gnade von uns, dass wir uns auf die Bekehrung ganzer Völker einstellten; sie geben vor, Gott handle heute mit den Nationen in der gleichen Weise, wie Er es im Alten Testament mit Israel getan hat! Sie lehren, die Gemeinde hätte das Recht und die Vollmacht, das Blut Jesu Christi für nationale Sünden in Anspruch zu nehmen, und wir sollten beten, dass zum Beispiel Deutschland als Ganzes durch Sein Blut mit Gott versöhnt würde. Wir haben bereits gesehen, dass nichts dergleichen im Neuen Testament gelehrt wird. Das ist nichts als eine abergläubische Inanspruchnahme des Blutes Jesu Christi.
So wird der Neue Bund und das Evangelium zu einer sinnlosen Farce gemacht. Es ist die Kraft Gottes, die jede Seele, die von der Kraft der Finsternis zu dem lebendigen Gott umkehrt, persönlich rettet, und den Menschen unter Gottes geistliche Herrschaft des Lebens, der Freude, des Friedens und der Gerechtigkeit bringt. Genau das und nur das ist das Wesen des Neuen Bundes – Seelen in das göttliche Leben Gottes zu führen. Aber ein Volk kann nicht als solches für das Reich und das Leben Gottes eingenommen werden. Ohne Zweifel, das Evangelium soll allen Nationen verkündet werden, aber die neutestamentliche Lehre und Offenbarung sagt, dass Menschen aus jedem Stamm und jeder Nation herausgerettet werden; sie sagt nicht, dass in dem gegenwärtigen Zeitalter des Evangeliums eine Nation als Einheit gerettet werden könnte, als hätte Gott einen Bund mit Deutschland oder irgendeinem andern Land geschlossen, wie es im Alten Testament mit Israel der Fall war. Paulus ging nicht nach Mazedonien, um der Nation von Mazedonien zu predigen, sie sollte als solche Buße tun für ihre Sünden, zum Beispiel für die Kriege in ihrer Vergangenheit. Er rief nicht die Regierung zur Buße auf für die Sünden ihrer Stadt oder Nation, um Versöhnung für diese Stadt oder dieses Land zu bewirken. Er ging an ganz bestimmte Orte in Mazedonien und sagte den Menschen, die dort wohnten, sie sollten für ihre Sünden Buße tun und zu Jesus Christus umkehren, der sie zu Bürgern eines anderen Landes, nämlich des Himmels, machen wollte! Sie würden zu der Gemeinde Gottes hinzugetan, die in Christus ein Leib ist. Aber Paulus versuchte nicht die mazedonischen Christen dazu zu bringen, eine irgendwie geartete Versöhnung für ihr Land zu bewirken!
Ohne vielleicht wirklich zu verstehen, was sie da tun, vertauschen sie dieses wunderbare Heil, das Männern und Frauen das Leben und die Kraft des himmlischen Reiches Gottes nahe bringt, mit der Idee, eine Art christliche Nation aufzurichten. Manche ihrer Schreiber sagen, wenn einzelne Christen die Sünden ihres Landes bekennen, dann sei das der erste Schritt. Es brauche also zuerst – als eine Art Vorhut – einen Fürsprecher wie Daniel es war, der zuerst diese Sünden erkenne und für das Volk bete; dann müsse die Gemeinde als Ganze folgen und auch für diese nationalen Sünden beten (sie sagen, das sei dargestellt in Esra, der die Menschen zu gemeinsamem Bekennen führte!); und die dritte und letzte Stufe wäre dann, dass die Regierenden der Stadt oder Nation diese nationalen Sünden bekennen (und sie sagen, das sei dargestellt in Nehemia, der die Führerschaft der »weltlichen« Regierung repräsentiere!). Sie erdreisten sich, das zu lehren, obwohl wir im Neuen Testament nichts dergleichen finden, und sie missbrauchen das Alte Testament, um damit ihre erfundenen Ideen zu untermauern. Ein Irrtum ohne Ende!
Es ist tragisch mit anzusehen, wie viele christliche Persönlichkeiten sich selbst täuschen – und dann viele tausend andere täuschen, indem sie lehren, sie könnten eine Art Versöhnung zustande bringen und ihrem Volk den Segen Gottes aufschließen, indem sie »nationale« Sünden der Gegenwart und der Vergangenheit bekennen und dafür Buße tun wollen. Englische Gläubige gehen nach Australien und bekennen australischen Christen die Sünden, die England in vergangenen Zeiten gegen Australien begangen hat. Dann kommen australische Christen nach England herüber und bekennen die Sünden Australiens gegen England! Brasilianer kommen nach England, Amerikaner gehen nach Japan, und die japanischen Christen bitten amerikanische Christen um Vergebung, und so geht es immer weiter. Christen reisen um die ganze Welt und bekennen anderen Christen die Sünden »ihres« Landes, mit denen doch die Gemeinde Jesu Christi gar nichts zu tun hat! Sie wollen »die Nation heilen« und »Versöhnung« zwischen Ländern und Städten hervorbringen mit dem Ziel, dass das Evangelium sich wirkungsvoller ausbreiten könnte. Es ist ein totaler Betrug. Wie wir schon gesehen haben, gibt es im Neuen Testament kein Vorbild und erst recht keine Anweisung für die Praxis, Sünden von Ländern, Regionen, Stämmen oder Städten zu bekennen und dafür Buße zu tun – weder von Jesus noch von den Aposteln. Niemals sind Christen aus Rom nach Mazedonien, zu den Athenern, den Juden oder sonst jemandem gegangen, um ihnen die Sünden zu bekennen, die Rom gegen sie begangen hatte; niemals sind Gläubige aus Mazedonien, Athen, Kleinasien oder irgendeiner anderen Region irgendwo hin gegangen, um dort die Sünden ihres Volkes aus der Vergangenheit zu bekennen und einander oder andere Länder dafür um Vergebung zu bitten! So könnten wir fortfahren. Sicher gab es in diesem Zeitalter so viel Unrecht und Missetat wie in irgendeinem Jahrhundert. Aber im Licht dessen, was Jesus Christus auf Golgatha getan hat, wäre es wirklich abwegig gewesen, Seinem vollkommenen Erlösungswerk diese eigenen Bemühungen hinzuzufügen, und es ist kein Wunder, dass wir nichts dergleichen im Neuen Testament lesen. Wie könnte man dabei jemals sicher sein, irgendwann einmal alle Sünden bekannt zu haben, die das »eigene« Land gegen andere Länder begangen hat? Der beste Geschichtsexperte wäre nicht in der Lage, alles zu wissen oder ausfindig zu machen, was Gott in einem bestimmten Land missfallen oder Ihn beleidigt haben könnten!
Als Gotteskinder sind wir alle Bürger des Himmels und wir wissen, dass die Kriege und Ungerechtigkeiten der Länder, in denen wir leben, nichts mit der wahren Gemeinde Jesu Christi zu tun haben. Und doch gehen diese Christen hin und bitten andere Christen um Vergebung für die Sünden »ihres« Landes, also für Angelegenheiten der säkularen Welt. Sind ihre Glaubensbrüder in anderen Ländern denn verletzt durch das, was »ihrem« Land angetan wurde? Wie sollten sie verletzt sein können, wenn sie vergeben haben, wie sie selbst Vergebung empfangen haben? Christen haben es nicht nötig, dass Christen eines anderen Landes sie um Vergebung bitten für Sünden des Landes, in dem sie nun einmal leben. Ebenso wenig repräsentiere ich oder meine Gemeinde England, als hätte dieses Land eine spezifische Bundesbeziehung zu Gott. Diese Christen meinen, sie könnten und müssten eine Art Versöhnung aufrichten. Dabei endet es nur in einer furchtbaren geistlichen Verwirrung, indem man keinen Unterschied macht zwischen Welt und Gemeinde. Es ist eine fleischliche Interpretation, die an der Wahrheit vorbei geht. Ich bin doch von oben her geboren, aus Gott geboren, und mein Bürgerrecht ist jetzt im Himmel (Philipper 3,20). Ich bin von Sünde befreit und bin nicht mehr »von dieser Welt«. Im tiefsten und wahrhaftigsten Sinn bin ich nicht mehr Engländer und du nicht länger Deutscher oder was auch immer; wir sind Gotteskinder. Ich kann und darf mich nicht mit der Welt identifizieren, als hätte ich Anteil an ihr und ihren Sünden. Das ist etwas anderes als sich mit den Nöten anderer zu identifizieren. Es hat weder mit Demut noch mit Buße zu tun; es ist Verwirrung und Betrug. Wie wir gesehen haben, gibt es dafür nicht ein einziges Beispiel in der ganzen Bibel! Keinesfalls sollten wir den Nöten der Menschen um uns her gleichgültig gegenüber stehen oder die Augen vor unserer Verantwortung für sie verschließen. Wir können und sollen für die Menschen an unserem Wohnort oder in unserem Land beten, und wir werden weiter unten sehen, wie die Gemeinde beten kann, dass Ungläubige mit dem Evangelium erreicht werden können. Aber die Welt – und erst recht die Gemeinde – empfängt keine Hilfe durch diese menschlichen Ideen, die einzig dazu führen, die Wahrheit und Kraft des Evangeliums zu verdecken und zu zerstören.
Wenn sie in ihren Veranstaltungen diese Art Bekenntnis und Buße praktizieren, sagen diese Leute, sie seien zu Tränen bewegt und Gott sei in ihrer Mitte und berühre ihre Herzen. Nachdem sie von ihrem eigenwilligen Glauben betrogen sind, ist es kein Wunder, dass sie in ihren Versammlungen durch alle möglichen Manifestationen und Gefühle weiter in die Irre geführt werden. Allerdings ist das eine sehr ernste Sache und ich sage diese Dinge nicht leichtfertig. Schon im Neuen Testament finden wir diese Art von Betrug und Irrtum, dass Gläubige ihren eigenen Wünschen und Ideen folgen und sich einem »anderen Evangelium« öffnen, einem »anderen Jesus« folgen und einen »anderen Geist« empfangen – und sie meinen, das alles sei vom Herrn! Aber Paulus zeigt den Ernst dieser Sache, wenn er sagt, dass sie in Wirklichkeit von einem vorgeblichen Engel des Lichts verführt würden, den Paulus schlichtweg den Teufel nennt (2.Korinther 11,1-15). So geht es diesen Gläubigen. Sie sind Gläubige, aber indem sie die Wahrheit und Einfachheit des Evangeliums von Jesus verlassen, die sie ursprünglich empfangen haben, öffnen sie sich selbst dem Betrug. Ohne Zweifel werden sie alle Arten von »Erfahrungen« machen, die sie aber immer weiter in die Irre führen. Diese Gefühle und Manifestationen stammen aus ihnen selbst, aus einem andern Evangelium und einem andern Geist.
Brüder und Schwestern in Christus, ich bitte euch um eurer eigenen Seelen willen, für die Jesus Christus auf Golgatha starb, um sie zu erlösen und zu befreien, um sie zu Seinem Eigentum zu machen: Haltet euch rein von diesen Lehren und Verführungen. Die Bibel und was sie sagt ist wichtiger als noch so große christliche Organisationen oder berühmte Sprecher. Und wenn du Gemeindeleiter bist oder sonst in der Verantwortung für eine Gemeinde stehst, trage lieber die Schmach Christi als dem zu folgen, was populär, aber schriftwidrig ist – und wovon du vielleicht annehmen kannst, es würde auch dich berühmt und populär machen.
Der biblische Bezug dieser Lehre
Welche Schriftstellen werden nun angeführt, um zu lehren, dass die Gemeinde die (vergangenen und gegenwärtigen) Sünden der Länder, in denen wir leben, bekennen und dafür Buße tun sollte? Wir haben schon gesehen, dass sie auf Daniel verweisen. Andere Bibelstellen, die Gottes großartigen Plan offenbaren, die Heiden mit dem Heil zu segnen, sind etwa 1.Mose 12,3; Psalm 22,27; Jesaja 56,7 und Römer 15,9 – und natürlich könnten wir viele weiteren Stellen anführen. Aber die zitierten Verse zeigen deutlich genug, dass Gott von Anfang an im Sinn hatte, alle Menschen auf Erden zu segnen; aber aus keiner Bibelstelle kann man entnehmen, dass Gotteskinder Sünden von Nationen bekennen und dafür Buße tun sollten, damit Gott ihnen diesen Segen geben kann, als ob dies Gott den Weg zu ihrem Heil ebnen würde. Gott hat verheißen, dass sich das Heil auf alle Menschen erstreckt. Aber es gibt keinen neuen Gesetzeskodex wie den vom Sinai, der für die Nationen verbindlich wäre und für den die Gemeinde sich gegenüber den Völkern einsetzen sollte. Die Bedingung des Neuen Bundes Gottes für alle Menschen lautet vielmehr: Jeder, der glaubt! Menschen – Männer, Frauen und Kinder – werden durch den Glauben an Jesus Christus ohne Verdienst gerettet durch Gottes Gnade. Das ist die Grundlage des Neuen Bundes. Die Offenbarung Jesu Christi, des Gekreuzigten und Auferstandenen, diese Offenbarung für jeden Menschen ist die Eingangstür zu diesem Bund! Es gibt keine unterschiedlichen Bedingungen, um dieses Heil zu empfangen und unter seinen Segen zu kommen. Es gibt keinen anderen Bund! (Die oben genannten Verse stehen überhaupt nicht für ein Bundesverhältnis, bei dem Gott sagen würde: »Weil ich verheißen habe, dich zu segnen mit Heil durch Christus, bist du nun in einer Bundesbeziehung mit mir, und entsprechend diesem Bund kannst du dieses Heil nicht in der ganzen Fülle empfangen, bis das Land, in dem du wohnst, für seine vergangenen und gegenwärtigen Sünden Buße getan hat.«) Es gibt nur den Alten Bund und den Neuen Bund. In welchem lebst du?
Weiterhin berufen sich »unsere« Lehrer auf Jona, der dem Volk von Ninive Buße predigte. Die Sünde hatte dermaßen um sich gegriffen und solche extremen Formen angenommen, dass Gott sagte, es bleibe Ihm kein anderer Weg als die ganze Stadt zu vernichten. Aber die Sünde hatte nur deshalb solche Ausmaße erreicht, weil die einzelnen Einwohner der Stadt ihr in solcher Weise Raum gegeben hatten. Zweifellos taten sie vor allem Buße über ihre eigenen Sünden. Aber darüber hinaus mochte es ihnen durchaus ein Anliegen sein, vor Gott ihrem Schmerz darüber Ausdruck zu verleihen, dass sie dazu beigetragen hatten, dass die Sünde ihre Stadt so in ihren Griff bekommen konnte. Aber auch das Buch Jona bestätigt nur, was wir in diesem Artikel sagen. Indem er den Menschen persönlich das Wort Gottes bringt, erhalten sie die Gelegenheit, persönlich dem Wort Gottes zu glauben und Buße zu tun. Jona spricht direkt zu ihren Herzen und forderte sie auf, Buße zu tun für ihre Sünden. Er sagt ihnen nicht, dass sie zuerst generell Buße tun müssten für die Sünden ihrer ganzen Stadt, damit Gott sie segnen und ihnen vergeben könne. Auch von den Sünden vorhergehender Generationen ist überhaupt nicht die Rede.
Ferner zitieren Sie 2.Mose 10,16-18, wo es heißt, dass Mose für den Pharao eintrat. Und wie Mose sich für den Pharao einsetzte, so solle die Gemeinde sich mit den Sünden von Nationen identifizieren und für sie Buße tun. Ja, Mose betete für den Pharao, aber eben weil dieser seine Sünde anerkannte und Mose bat, für ihn zu beten! Das ist ein großer Unterschied! Mose tat nicht Buße für die Sünden eines Ungläubigen; und noch wichtiger ist die Tatsache, dass zu jener Zeit Jesus noch nicht der offenbarte Mittler zwischen Gott und den Menschen war. So war es natürlich, dass Pharao Mose darum bat, für ihn zu beten, besonders da ja Mose an Gottes Statt handelte und zum Volk sprach (2.Mose 4,16). So ist auch das kein Beleg für diese falsche Lehre. Und selbst wenn das Eintreten Moses für den Pharao so zu verstehen wäre, befänden sie sich im »falschen« Bund. Wir können und wollen doch nicht dahinter zurückgehen, dass Jesus vom Himmel her als der Heiland der Welt und als Mittler zwischen Gott und den Menschen offenbart wurde. Wir sehen erneut, wie diese Lehre versucht, einen anderen Mittler zwischen Gott und Menschen zu stellen als Christus, der bei Gott für jeden Menschen Versöhnung erworben hat.
Weiter sprechen sie davon, dass Mose in 4.Mose 14,17-21 Vergebung für die Sünden Israels erlangte, und dies bedeute, dass auch die Gemeinde durch das Bekennen der Sünden einer Nation Vergebung für diese nationalen Sünden erlangen könnte – gerade so wie Mose es für Israel tat! Hier begehen sie gleich zwei sehr ernste Irrtümer. Sie vermischen wieder die Welt mit der Gemeinde, und sie vergessen, dass es heute nur einen Mittler zwischen Gott und den Menschen gibt, und das ist Jesus Christus. Wir wissen, dass Mose und sein Dienst Christus im Voraus darstellte, und in diesem Sinn war er einzigartig, wie wir in 2.Mose 4,16, 4.Mose 12,6-8 und 5.Mose 18,15 sehen können. Aber diese modernen Schreiber würden uns sagen, dass auch wir Vergebung erwirken könnten nicht nur für die Sünden der Heiligen, sondern für Sünden in unserem Land, weil wir ein königliches Priestertum seien. Das ist wahrhaftig Gotteslästerung.
Im Neuen Testament führen sie Jesus an, wie Er den Vater bat, denen zu vergeben, die Ihn kreuzigten (Lukas 23,34). Aber Er tat nichts anderes, als was Er auch uns zu tun lehrt, nämlich, denen zu vergeben, die uns schmachvoll behandeln, besonders wenn sie selbst gar nicht erkennen, dass sie das tun. Als Christen sollten wir darin unserem großen Vorbild nachfolgen. Aber das hat nichts mit der Meinung zu tun, die Gemeinde sollte ihre Aufgabe darin sehen, Buße zu tun für fremde Sünden – ihrer Stadt oder ihres Landes. Ganz erstaunlich aber ist, dass sie auch 1.Johannes 1,9 zitieren: »Wenn wir aber unsre Sünden bekennen ...« und dazu behaupten, dieser Vers würde uns zeigen, dass es für die ersten Gemeinden normal war, die Sünden ihrer Stadt oder ihres Landes – aus der Vergangenheit wie aus der Gegenwart – zu bekennen! Sie behaupten, die Christen würden hier nach der Tradition des Alten Testaments handeln, weil dies ja die einzige Tradition sei, die sie kannten und hatten! Die »Tradition«, die sie damit meinen, sind die einmaligen Beispiele eines Daniel oder eines Nehemia, deren Gebete in der Zeit von Israels Zerstreuung und Exil entstanden und die sich allein auf Israel und allein auf jene einmalige Periode seiner Geschichte bezogen. Sollten die Christen nach Golgatha und nach dem Empfang des Heiligen Geistes keine tiefere und weiter führende Erkenntnis über diese alttestamentliche Ausnahmesituation gehabt haben? Das kann man wohl von diesen modernen Lehrern, aber bestimmt nicht von den Aposteln der frühen Christenheit sagen. Das ist solch eine Verdrehung des Wortes Gottes, dass es gar nicht nötig sein sollte, darauf einzugehen. Es genügt sicher, wenn ich sage, dass Johannes in seinem ganzen ersten Brief die Mehrzahl »wir« und »unser« gebraucht, wenn er von Gottes Volk spricht – oder sollen wir etwa annehmen, dass die Gesellschaft der Ungläubigen um uns her »Gemeinschaft … mit dem Vater und mit Seinem Sohn Jesus Christus« hat (1.Johannes 1,3)?
Dies sind in etwa die wichtigsten Bibelstellen, die die Vertreter dieser Lehre als Beispiele oder Beweise für ihre Lehre anführen, aber das zeigt uns doch nur, dass sie selbst nicht in der Lage sind, einen stichhaltigen biblischen Bezug zu ihrer Theorie herzustellen, dass die Nachfolger des Herrn fremde Sünden bekennen und dafür Buße tun sollten, sei es für einzelne Menschen oder für Städte oder Länder. Sehen wir nicht, dass sie gar nicht ernsthaft daran interessiert sind, sich in diesen Dingen wirklich von der Heiligen Schrift unterweisen zu lassen? Sie picken vielmehr bestimmte Schriftstellen heraus, von denen sie denken, dass sie ihren Zielen dienlich sind, und wenn sie es nicht tun, vergewaltigen sie sie, indem sie ihre Bedeutung so verdrehen, dass sie in ihr Denkgebäude passen.
Einige grundlegende Schriftstellen
3.Mose 26
Jetzt wenden wir uns der Lehre vom »Bekennen der Sünden vergangener Generationen« zu und untersuchen die angebliche biblische Grundlage dieses Gedankengebäudes. Als fundamental sehen sie 3.Mose 26,40 an: »Da werden sie dann bekennen ihre Missetat und ihrer Väter Missetat, dass sie mir untreu gewesen sind und mir zuwidergehandelt haben.« (Bitte lesen Sie dazu den ganzen Abschnitt.)
In diesem Kapitel kündigt Gott Israel das Gericht an für den Fall, dass sie Ihm fortgesetzt ungehorsam sind. Es gipfelt in dem Urteil, dass Er ihnen das Land wegnehmen und sie in verschiedene Länder zerstreuen würde. Aber selbst dann würde Er Mitleid mit ihnen haben und an Seinen Bund gedenken, wenn sie Buße tun und ihre Sünden bekennen (Vers 40 f.). Auf diese Verse bauen diese modernen Lehrer hauptsächlich ihre Ideen auf und entwickeln daraus ihre Gedanken bezüglich »Identifizierung in Bekenntnis und Buße« sowie dem Bekennen und Bereuen von »gemeinschaftlichen Sünden«. Sie behaupten, was wir in 3.Mose 26,40 lesen, sei die biblische Grundlage für alle Buße, sowohl im Alten wie im Neuen Testament; Gott könne nicht wirklich ein Volk oder eine Nation segnen und ihnen eine Erweckung schenken, bis dieser Prozess abgeschlossen sei, das heißt dass die Gemeinde als Vorreiter diesen Weg beschreitet, die Sünden der Nation zu bekennen und dafür Buße zu tun, um dadurch eine Art Versöhnung zu erreichen – und das würde dann den Weg ebnen für ein allgemeines Bekenntnis dieser nationalen Sünden! Aber all das ist rein menschliche Erfindung, und wir werden die Gründe sehen, warum das so ist.
Die biblischen Gestalten, die sie als Beispiele für diese Art von Bekenntnis und Buße anführen, sind – und das überrascht uns nicht – Daniel, Nehemia und Jeremia (siehe Daniel 9,16), die alle die Sünden ihrer Väter in ihren Gebeten anerkennen. Der oben genannte Vers aus 3.Mose zusammen mit den Gebeten dieser Männer bildet den Grundstein dieser Lehre. Aber warum sage ich, es sei keine Überraschung, dass sie gerade diese Männer anführen? Wenn wir 3.Mose 26 und die übrigen Schriftstellen, die sie heranziehen, in ihrem Zusammenhang lesen, wird uns klar, dass diese Art von Bekenntnis (der Sünden früherer Generationen) in eine ganz bestimmte Zeit in Israels Geschichte gehört, nämlich, als Gott sie von ihrem Land trennte und sie in andere Länder zerstreute, siehe 3.Mose 26,27-42. Wir erkennen das, wenn wir wirklich das Kapitel lesen und die Bibel selbst zu uns sprechen lassen, anstatt uns auf das Urteil von Menschen oder unserer eigenen Fantasie zu verlassen. So ist es nicht überraschend, dass sie keinen Zeugen nennen können, der vor Jeremias Zeit in dieser Weise betete. In der Zeit Jeremias hatte Gott schon begonnen, Sein Gericht, das in der Zerstreuung gipfelte, an Israel zu erfüllen. Vor dieser Zeit gab es keinen Zeugen, der so gebetet hätte wie Jeremia, denn Gott hatte vor der Zerstreuung auch niemals etwas dergleichen erwartet, und deshalb lesen wir vor der Zerstreuung auch nichts davon. So wie 3.Mose 26,40 zeigen auch 5.Mose 30,1-3 und 2.Chronik 6,36-39 ganz klar, dass das Bekennen der Sünden früherer Generationen ein Teil der Buße Israels war, nachdem sie in die Länder zerstreut wurden – denn dies war die wiederholte Rebellion vieler Generationen, die zu ihrer Zerstreuung in fremde Länder geführt hatte.
Was konnte in dieser Situation der Entrechtung und des Exils, die aus einem gebrochenen Bund resultierte, natürlicher sein als dass es Gottes Wunsch war, dass sie sich bewusst machten und erkannten und dazu standen, dass es nicht nur die Sünde einer Generation, sondern der fortgesetzte Ungehorsam aufeinander folgender Generationen war, der dazu geführt hatte, dass Israel aus seinem Land vertrieben wurde? Sie sollten begreifen, dass dies nicht einfach eine spontane harte Strafe war, die diese eine Generation betraf, sondern dass aufeinander folgende Generationen dem Angebot Seiner Barmherzigkeit und Geduld den Rücken gekehrt hatten. Wenn wir 3.Mose 26 lesen, sehen wir, wie langmütig und barmherzig der Herr Israel gegenüber war. Er sagt ihnen, dass Er ihnen ganz bestimmte Arten von Strafen senden würde, wenn sie es unterließen, Ihm zu gehorchen und zu folgen. Warum? Nur als eine momentane Bestrafung oder einen andauernden Fluch? Nein. Im Blick auf die Härte ihrer Herzen würde Gott solches Gericht und solche Strafen senden, damit sie möglicherweise die Torheit ihrer Wege einsehen würden. So hätten sie die Gelegenheit, Buße zu tun und zu Ihm umzukehren. Und wenn sie nicht auf Ihn hörten, würde Er die Schwere der Strafen verschärfen mit dem Ziel, dass sie erkennen würden, wie weit sie sich von Gott und Seinem gnädigen Segen entfernt hatten. Gott wollte, dass Israel durch diese Gerichte zur Vernunft käme und zu Ihm zurückkehrte, so wie viel später der verlorene Sohn in Lukas 15. Siehe 3.Mose 26,14.18.21.23.27. Wenn sie nicht auf Sein Wort hörten, wären diese Gerichte in der Tat ein Ausdruck von Gottes Erbarmen. Er wollte ihnen Gelegenheit geben, ihre Torheit zu erkennen und Buße zu tun und zu Ihm umzukehren.
Vor der Zeit des Exils können wir beobachten, dass Gott das Volk Israel bzw. Juda segnete, wenn der König zusammen mit dem Volk Buße tat und zum Herrn umkehrte. Sie empfingen den Segen Gottes, ohne dass sie die Sünden vergangener Generationen bekannten oder Gott dies auch nur von ihnen erwartet oder verlangt hätte. (Gleichwohl war es nur natürlich, dass die Sünden der Vorfahren auch erwähnt wurden, wenn die gegenwärtige Generation diese gleichen Sünden fortsetzte. Nicht um Vergebung oder Erlösung für die vergangenen Generationen zu empfangen, sondern einfach, um ausdrücklich zu dem zu stehen, was leider auf der Hand lag und wovon das Land gereinigt werden musste, weil die Folgen der Sünde schon lange auf dem Land lasteten. Aber für ein solches Gebet finden wir aus der Zeit vor der Babylonischen Gefangenschaft kein Beispiel.) Die Könige Asa, Usia, Hiskia und Josia zum Beispiel kehrten zum Herrn um, ohne die Sünden der Väter überhaupt zu erwähnen. Sie bekannten ihre eigenen Sünden und ihre Rebellion, und in manchen Fällen war das die gleiche Art von Götzendienst und Rebellion wie bei vorhergehenden Königen – aber wir lesen nichts davon, dass sie die Sünden ihrer Vorgänger bekennen; es ist davon einfach nicht die Rede und Gott fragt überhaupt nicht danach. Es wäre dadurch auch keine weiter gehende Versöhnung bewirkt oder gefördert worden. Und wenn das für das Alte Testament gilt, wie viel mehr gilt diese Wahrheit im Neuen Bund, nachdem Christus gestorben ist, um die Versöhnung für die Sünden der ganzen Welt zu schaffen (1.Johannes 2,2)!
Gott nannte Israel »Seinen Sohn«, den Er aus Ägypten »gerufen« hatte (Hosea 11,1), und Er schloss am Sinai einen Bund mit ihm. Sie waren eine Nation und Sein Volk, und Er behandelte sie als Seinen Sohn bzw. als Seine Braut, und Er hatte ihnen das Land Kanaan als einen Bestandteil Seines Bundes mit ihnen verheißen und gegeben. Aber nachdem Er lange Zeit ihre Sünde und Abgötterei ertragen hatte, musste Gott sie aus dem Land treiben. Das war schwerwiegend, weil eben der Besitz des Landes ein Teil des Bundes war, den Gott mit Israel geschlossen hatte, und jetzt war dieser Bund durch Israels Untreue gebrochen. Nachdem sie jetzt in fremde Länder zerstreut waren, mussten sie dazu gebracht werden zu erkennen, dass ihre fortgesetzte Untreue über viele Generationen zu ihrer Vertreibung aus dem verheißenen Land geführt hatte. Männer wie Daniel, Esra und Nehemia (Esra 9,1-10, besonders Vers 7, sowie Hiskia in 2.Chronik 30,6-9) erkannten diese Zusammenhänge, nämlich, dass es Israels fortgesetzte Rebellion war, die zu ihrer Zerstreuung geführt hatte. Abgesehen von 3.Mose 26,40 findet sich diese Art von Buße bereits in 5.Mose 30,1-5 und 1.Könige 8,46-50, wie wir bereits feststellten, obwohl in diesen Passagen nicht vom Bekennen der Sünden der Vorfahren die Rede ist. (Zur Zeit Esras und Nehemias durfte ein kleiner Teil des Volkes nach Jerusalem zurückkehren, aber die Tatsache blieb bestehen, dass der größte Teil der Kinder Israel zerstreut und im Exil war, und ihr Land war zum größten Teil in fremder Hand.)
Wir sehen, dass dieses Anerkennen und sich selbst mit Einbeziehen in die Rebellion Israels über viele Generationen speziell mit der Zeit der Zerstreuung und der Babylonischen Gefangenschaft zusammenhing, einer Zeit, in der Israel nicht mehr im Besitz des Landes war, auch wenn ein Teil des Volkes später zurückkehren durfte. Es hing mit einer Zeit zusammen, zu der der Bund gebrochen war – ein Bund, der ausschließlich zwischen Gott und Israel aufgerichtet wurde. Wenn sie am Ende der Zeit des Exils die Sünden ihrer Väter ausdrücklich anerkannten, so taten sie damit nichts anderes als die Ursache der Zerstreuung und des Exils anzuerkennen.
Wir sollten uns darüber ganz im Klaren sein. In der Bibel, im Alten wie im Neuen Testament, tut Gottes Volk niemals Buße für die Sünden von Ungläubigen – in der Vergangenheit oder in der Gegenwart – in ihren Dörfern, Städten oder Ländern, in der Absicht, eine Art von Versöhnung für ihr Land zu bewirken! (Wir haben uns bereits mit dem Gebet Moses für Pharao beschäftigt.) Es gibt kein Beispiel, keine Anweisung für ein solches Handeln.
Nirgends finden wir, dass Gottes Volk Buße tut für die Sünden früherer Generationen, weder für Gläubige noch für Ungläubige. Es ist ausgeschlossen.
Nur in einer einzigen Situation erwartete Gott von ihnen, die Sünden früherer Generationen des Volkes Gottes zu bekennen – und das war zur Zeit des Endes der Zerstreuung und des Exils. Zu keiner anderen Zeit, unter keinen anderen Umständen lesen wir davon, dass das Volk Gottes die Sünden früherer Generationen bekannte in der Absicht, damit Versöhnung oder sonst den Segen Gottes zu erlangen. Diese Tatsachen allein sind mehr als ausreichend, um zu zeigen, wie irrig diese modernen Lehren sind und wie sie auf Unwahrheiten aufgebaut sind.
Die Belehrung durch Hesekiel: Hesekiel 18
Warum wurde Israel gefangen ins Exil weggeführt? Etwa auf Grund der Sünden früherer Generationen? Wurden sie bestraft für die Sünden ihrer Vorfahren? Nein. Gott spricht durch Hesekiel in Kapitel 18 und sagt dort ausdrücklich, dass sie nicht für die Sünden ihrer Vorfahren bestraft wurden. Gott wies Sein Volk geradezu zurecht, weil sie dergleichen dachten und sagten! Jedermann trägt das Urteil für seine eigenen Sünden. Hätte Juda zur Zeit Jeremias von Herzen Buße getan und wäre zum Herrn umgekehrt, dann hätte Gott sie verschont und sie gesegnet, wie er es zuvor getan hatte (Jeremia 26,1-7; beachte besonders Vers 3). Tatsache ist jedoch, dass diese Generation den Götzendienst und die Rebellion gegen das Wort des Herrn fortsetzte, ebenso wie die früheren Generationen gehandelt hatten. Es war die fortgesetzte Rebellion vieler Generationen bis in die Gegenwart, die zum Exil geführt hatte. Aber sogar dem rückfälligen Israel verkündigt Gott in Seiner Güte Seine Gnade und bittet sie, zu Ihm umzukehren, um wieder in ihr Land eingesetzt zu werden (Jeremia 3,12-14). An diesen Schriftstellen und an vielen, vielen anderen spricht Gott zu Seinem Volk über ihre Sünden und wie sie von ihren eigenen Wegen Buße tun sollten, um zu Ihm umzukehren. Gott erwähnt nie etwas von Buße für die Sünden ihrer Vorfahren. Niemals. Er befahl ihnen nie, die Sünden ihrer Vorfahren zu bekennen als etwas, das Er normalerweise von ihnen erwartete. Wie wir in 3.Mose 26,40 gesehen haben, erwartete Gott von ihnen, dass sie die fortgesetzte und über viele Generationen gesteigerte Sünde bekennen sollten, die zu ihrer Ausweisung aus dem Verheißenen Land führte. Das war die einzige Gelegenheit, und zwar aus dem besonderen Grund, den wir bereits dargestellt haben.
Es waren die Israeliten, die falsch dachten, nämlich sie müssten die Untaten ihrer Väter tragen – sie würden für die Sünden ihrer Väter bestraft. »Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden« (Hesekiel 18,2). Das behaupteten die Israeliten und stritten mit Gott darüber, siehe Hesekiel 18. Gott war überhaupt nicht erfreut über ihre abwegige Einbildung. Alles, was wir oben bereits dargelegt haben, wird ebenso in diesem Kapitel, Hesekiel 18, bestätigt, insbesondere zusammengefasst in den Versen 19 – 23. Und Vers 20 sagt: »Denn nur wer sündigt, der soll sterben. Der Sohn soll nicht tragen die Schuld des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Schuld des Sohnes …«
In diesem Kapitel sehen wir, was die ganze Bibel als Wahrheit bezeugt, nämlich dass jeder Mensch für seine eigene Sünde verantwortlich ist und nur für seine eigene Sünde Buße tun kann. Es besteht keine Notwendigkeit, für die Sünden unserer Väter Buße zu tun, weil wir weder ihre Ungerechtigkeiten noch die Strafe für ihre Sünden tragen. Das ist die biblische Norm – dass ein Mensch für seine eigenen Sünden Buße tut, nicht für diejenigen irgendeines anderen Menschen! Und Jeremia bekennt wohl zur Zeit der Zerstreuung Israels die Sünden der Väter. Aber die überwältigende Last und der Inhalt seiner Botschaft an Gottes Volk seiner Zeit spricht zu ihren Herzen, indem er sie bittet, die Härte ihrer Herzen zu erkennen, und er fleht sie an, ihre Sünde zu lassen und ermahnt sie, Buße zu tun und zum Herrn umzukehren. Das ist sein eigentlicher Dienst – Israel zu dieser Zeit seine Sünde vor Augen zu stellen und die Barmherzigkeit, aber auch das Gericht Gottes zu verkündigen. Diese Wahrheit zieht sich durch die ganze Bibel. Ob wir Jeremia lesen oder die anderen Propheten; das Buch der Richter, der Könige oder die Chronik-Bücher; oder ob wir das Neue Testament lesen – überall finden wir, dass Gott die Menschen, die gesündigt haben, durch Seine Diener zur Umkehr bittet. Es spricht zu den Menschen persönlich von ihren eigenen Sünden, Er sucht sie von ihrer Schuld zu überzeugen und bittet sie, Buße zu tun – Er bittet sie nicht, für die Sünden anderer Menschen Buße zu tun. Und so sehen wir einzelne Menschen und Gemeinschaften, die für ihre Sünden Buße tun und Gottes Segen empfangen, ohne mit einem Wort die Sünden früherer Generationen zu erwähnen. Das ist das Normale. Aber diese neue Lehre nimmt das, was die Ausnahme war (weil es in der Zeit der Zerstreuung einen besonderen Anlass dafür gab), verdreht es und macht es dann zur Regel, zum Gesetz und zu einer Belastung und Bindung für Gottes Volk! Noch einmal: In all diesen Fällen ist dieses Eintreten ausschließlich die Aufgabe der Propheten, die Gottes Volk ermahnen und für dieses Volk beten – nicht für die Welt, nicht für Ungläubige.
Der Neue Bund durch den Tod Jesu auf Golgatha bezieht sich insofern auf unsere Vergangenheit, dass er uns vollkommen von den Belastungen durch unsere Vergangenheit befreit (2.Korinther 5,17.18; Römer 6,6; 1.Petrus 1,18), wenn wir uns zu Ihm hinwenden und eine Neugeburt erleben. Das Kreuz Christi ist der herrliche Punkt, an dem wir abgeschnitten werden von der Sünde, von ihrer Schuld, ihrem Gericht und ihrer Herrschaft in unserem Leben, sowie von aller Verdammnis. An diesem Punkt werden wir auch abgeschnitten von der Sünde unserer Väter und allem Gericht, das sie mit sich bringt. Die Kraft des Kreuzes Christi ist größer als wir vielleicht wissen, Epheser 1,16-23. Sie ist die Kraft Gottes zum Heil für jeden Menschen, der glaubt, und es ist weder notwendig noch wird es von Gott erwartet oder gefordert, für die Sünden unserer Väter Buße zu tun. Durch den Tod Jesu Christi ist alle Sünde ans Kreuz gebracht und wir können durch solcherlei »Buße« keine weiter gehende Versöhnung erlangen – weder für uns selbst noch für die Stadt oder das Land, in denen wir leben. Und die Sünde unserer Vorfahren und das Gericht, das sie nach sich zieht, können uns nicht berühren, wenn wir Christi Eigentum sind. Wir sind frei, weil der Sohn uns frei gemacht hat. Diese moderne Lehre dagegen führt uns ganz einfach in die Knechtschaft zurück.
In Jeremia 31,29-34 sagt Gott das gleiche wie in Hesekiel 18. Er sagt, dass der Tag kommen wird, an dem man nicht länger dieses Sprichwort gebrauchen werde, dass den Kindern die Zähne stumpf geworden sind, weil die Väter saure Trauben gegessen haben. Gott wollte dem einen Riegel vorschieben, dass sie vergangene Generationen für ihre eigenen Sünden verantwortlich machten. Er spricht zu ihnen von dem Neuen Bund, den Er aufrichten werde, in welchem Er ihnen die Sünden vergeben und ihrer nicht mehr gedenken werde. Das ist eine wunderbar klare Botschaft, aber als Kommentar zu diesen Versen sagt einer dieser modernen Lehrer, Golgatha und der Neue Bund hebe nicht die Notwendigkeit auf, die Sünden unserer Väter sowie der Städte und Länder, in denen wir leben, zu bekennen! Trotz dem, was in 1.Petrus 1,18 gesagt wird, lehrt er, in Übereinstimmung mit anderen, dass Nachkommen und Gemeinwesen noch immer beeinflusst sind von dem Gericht, das die Sünden der Väter und früherer Generationen nach sich gezogen haben und dass wir deshalb nur volle Erlösung und Gottes vollen Segen empfangen könnten, indem wir diese Sünden der Vergangenheit bekennen! Lieber Leser, was können wir sagen oder tun, wenn Menschen Gott und Seiner Wahrheit so direkt widersprechen? Gott spricht – und sie sagen: »Nein, es ist nicht so.«
2.Mose 20,3-6
Wir kommen jetzt zu einem anderen Abschnitt, den diese modernen Schreiber als grundlegend ansehen für ihre Lehre nicht nur bezüglich Buße für die Sünden der Nationen und der Vorfahren, sondern auch bezüglich Flüchen und was sie »territoriale Geister« nennen. Sie beziehen sich dabei auf die Aussage, dass die Sünden der Väter heimgesucht werden bis in die dritte und vierte Generation. Von dieser Schriftstelle her, zusammen mit 3.Mose 26,40, haben sie einen neuen Ausdruck kreiert, der nicht in der Bibel zu finden ist. Sie nennen es »die Sünde der Generation«. Sie meinen damit aber nicht das Gesetz von Sünde und Tod, das seit der Sünde Adams in jedem Menschen wirksam ist – und wofür Christus starb, um uns zu reinigen und zu befreien. Nein; von dieser Bibelstelle ausgehend lehren sie, wenn eine Person oder eben eine ganze Generation zum Beispiel Abgötterei betreibe, dann gehe diese Sünde und das Urteil, das sie nach sich zieht, auf die nächste Generation über und blockiere für sie den Segen Gottes. Und aufgrund von 3.Mose 26,40 sagen sie, es sei nötig, für diese Sünden der vergangenen Generationen Buße zu tun. Diese zwei Verse beziehen sie auf alle Menschen – Juden oder Heiden, Heilige oder Sünder – von dem Tag an, an dem Gott am Sinai dem Volk Israel das Gesetz gab, bis auf den heutigen Tag! Ebenso lehren sie, dass Golgatha die Notwendigkeit, für die Sünden der vergangenen Generationen Buße zu tun, nicht aufgehoben habe. Wenn wir nicht entsprechend handelten, dann beeinflussten uns die Sünden der Generationen vor uns und das Urteil darüber weiterhin und brächten uns um den vollen Segen Gottes und gäben zudem dem Teufel eine rechtliche Handhabe, um im Leben der Menschen und in ihren Gemeinschaften zu arbeiten! Aber das alles ist eine verkehrte und unwahrhaftige Auslegung dieser Schriftstellen.
Wenn wir jetzt auf 2.Mose 20,3-6 achten, finden wir auch hier keine Anweisung Gottes an Sein Volk, für die Sünden der Väter Buße zu tun. Kein Gedanke in diese Richtung wird auch nur von ferne erwähnt.
In 2.Mose 20 erklärt Gott Israel, dass Er der Herr, ihr Gott ist, der sie aus Ägypten geführt hat. Gott warnt sie davon, andere Götter neben Ihm zu haben, weil Er ein eifersüchtiger Gott ist, der die Sünden der Väter heimsucht an ihren Kindern bis in die dritte und vierte Generation derer, die Ihn hassen. Das Gewicht und die Bedeutung von Vers 5 (siehe auch 5.Mose 5,9) liegt auf »denen, die Ihn hassen« – die fortgesetzt Gott ablehnen und Sein Wort an sie, und die bewusst weiter in den Sünden ihrer Väter leben. Die ihn hassen, sind gefangen und in die Irre geführt durch die Sünden der Väter, und diese Sünde und ihre Auflehnung gegen Gott kann in ihrer Auswirkung und Kraft verstärkt werden, wenn auch die folgende Generation daran festhält. Ihr Urteil empfangen sie natürlich für ihre eigene Gottlosigkeit. So kann sich auch jeder Mensch von den Sünden seiner Väter abwenden, und wenn er es tut, vergibt ihm Gott und nimmt ihn an, ohne dass er auch noch für die Sünden seiner Väter Buße tun müsste. Es ist entscheidend wichtig zu wissen, dass Gott niemals die Strafe oder das Urteil über die Sünden der Väter auf die Kinder überträgt! Hesekiel 18 zeigt dies ganz deutlich. Die Kinder tragen nicht die Sünden oder die Strafe für die Sünden ihrer Väter, außer wenn sie sich selbst dafür entscheiden, weiterhin darin zu leben. Die Sünden der Väter stellen für jeden Menschen eine Herausforderung oder Heimsuchung dar – das ist etwas ganz anderes. Es ist klar, dass ein Kind, wenn es von Eltern erzogen wird, die in der Sünde leben und gegen den Herrn rebellieren, ihrem gottwidrigen Einfluss ausgesetzt ist und dass der Segen Gottes nicht auf dieser Familie ruhen kann. So werden die Sünden der Eltern ein Fallstrick für die Kinder, und natürlich ist die Versuchung groß, dass sie dem schlechten Beispiel folgen, anstatt sich dem Herrn zuzuwenden. 5.Mose 20 und Hesekiel 18 stehen in vollkommener Übereinstimmung mit dem Gesamtzeugnis der Schrift, dass Kinder durch die Sünden ihrer Väter unter schlechtem Einfluss stehen und darin verstrickt sind. Aber Gott behandelt uns immer als Individuen und gibt jedem die Gelegenheit, Ihm selbst zu antworten. Obwohl also die Sünden der Eltern eine Versuchung für die Kinder sind, können sie dennoch ihre eigene Wahl treffen – sie können sich entscheiden, die bösen Wege ihrer Väter zu verlassen und sich von ganzem Herzen zum Herrn zu bekehren. Er hat Sein Volk nicht aufgrund der Sünden der Väter verlassen. Er hat durch die Propheten jeder Generation neu Sein Wort gesandt und sie vor die Entscheidung gestellt, sich zu Ihm zu bekehren. Dafür gibt es viele Beispiele, siehe auch Jesaja 1,18.19. Oder wenn Asa, Hiskia oder Josia sich von den Sünden ihrer Vorgänger abwandten und zu Gott umkehrten, dann wurde das Volk reichlich gesegnet (2.Chronik 14,29.34). Gottes Gegenwart mit Seinen Segnungen und Seinem Schutz war wieder mit ihnen. Und kein einziges Mal sehen wir, dass vor der Zeit der babylonischen Gefangenschaft irgendeiner dieser Könige Buße tat für die Sünden ihrer Väter. Sie bereuten ihre eigenen Sünden, die natürlich durchaus die gleichen sein konnten wie die ihrer Väter – aber gefragt war einzig und allein ihre persönliche Buße. Und wenn sie das taten, war Gott sofort und überfließend bereit zu vergeben und sie zu segnen. Das ist alles in vollkommener Übereinstimmung mit dem 6. Vers aus 5.Mose 20, wo wir sehen, dass Gottes Erbarmen weitaus größer ist als Sein Gericht gegenüber denen, die Ihn lieben und Ihm gehorchen, sowie mit Hesekiel 18, wo es heißt, dass ein Sohn sich von den bösen Wegen seines Vaters abwenden und sich von den Sünden seines Vaters distanzieren und stattdessen zum Herrn umkehren kann, der ihm vollkommen vergeben wird und ihm keine Vorhaltungen machen wird. Wenn wir also von der Beziehung eines Menschen zu Gott sprechen, können wir sicher sein, dass Gott ihm niemals die Sünden seines Vaters vorhält oder ihn dafür bestraft. Der Sohn empfängt volle Vergebung, ohne für die Sünden seines Vaters Buße zu tun! – Diese modernen Lehrer wollen uns in die Sünden unserer Väter und Vorfahren gleichsam einschließen. Weder im Alten noch im Neuen Testament gibt es dafür einen Anhaltspunkt.
Ich muss zugeben, dass der Abschnitt in 5.Mose 20,4.5 Dinge enthält, die nicht leicht zu verstehen sind, und ich kann nicht behaupten, dass ich sie vollkommen erklären könnte. Aber die Bibel ist noch immer der beste Bibelkommentar, und auch wenn wir nicht in der Lage sind, alles bis ins Letzte zu erklären, zeigt uns doch das Gesamtzeugnis der Schrift, dass die Aussagen dieser modernen Schreiber nicht mit der Lehre des Wortes Gottes übereinstimmen. Für ein weiter gehendes Verständnis verweisen wir auch auf den Artikel über Flüche.
Der Ausdruck »Sünden der Generationen« wurde von diesen Schreibern nur zu dem Zweck erfunden, ihre unbiblischen Ideen zu untermauern. Der Ausdruck existiert nicht in der Bibel. Aber sie brauchen ihn, um ihre Gedanken zu rechtfertigen, die keine biblische Grundlage haben. Natürlich kann ein schlechter Lebenswandel der Eltern oder eines Gemeinwesens andere, die selbst noch nicht im Glauben gefestigt sind, beeinflussen und in Mitleidenschaft ziehen, und ihre Herzen können dadurch dem Evangelium gegenüber verhärtet werden. Das ist ganz natürlich und ist nichts Neues. Neu ist jedoch an dieser Lehre, dass ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen, die sich zum Herrn bekehren, nicht nur für ihre eigenen Sünden, sondern auch für die Sünden ihrer Väter oder früherer Generationen Buße tun sollen.
Sie finden sogar »Beispiele« von »Sünden der Generationen« im Neuen Testament! Welches sind ihre »zuverlässigen« Texte? Nun, es handelt sich um Matthäus 23,32-35 und 1.Thessalonicher 2,16. Man sagt uns, dass diese Verse »bewiesen«, dass die Lehre des Neuen Testaments »Sünden der Generationen« lehre und dass wir deshalb auch Buße tun müssten für die Sünden vergangener Generationen! Ich kann das nicht so sehen. Diese Verse lehren uns nicht, dass wir Buße tun müssten für die Sünden unserer Vorfahren. Sie beziehen sich auf die Juden, die sich entschieden haben, in dem Widerstand gegen Gott zu beharren. Sie sind aber nicht etwa gezwungen, die Sünden ihrer Väter fortzusetzen, sondern es ist ihre eigene Entscheidung, das zu tun. Das ist der Grund, weshalb Jesus über Jerusalem weinte. Er erwartete, dass sie Ihn annähmen, aber sie waren entschlossen, das nicht zu tun. Das ist die Grundlage für ein unausweichliches Gericht. Ein anderer Vers, den sie anführen, ist 1.Petrus 1,18. Aber dieser wunderbare Vers beweist genau das Gegenteil von dem, was sie lehren! Er sagt uns, was ich in meinem Artikel zu zeigen suche, nämlich dass das Blut Jesu Christi, des Lammes Gottes, vollkommen wirksam und ausreichend ist, um uns von unserer sündigen Vergangenheit sowie von den toten Traditionen unserer Väter zu erlösen. Wir sind erlöst! Wir sind erkauft mit dem Blut Jesu. Es gibt keine Verdammnis mehr für die, die in Christus sind. Preis sei Gott! »Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt« (Römer 8,33.34)! Aber diese neue Lehre würde uns alle unter die Verdammnis stellen, indem sie sagt, dass weder wir noch die Gesellschaft, in der wir leben, ganz frei von Gottes Urteil sind, bis wir für die Sünden unserer Väter Buße getan haben. Das ist die logische Konsequenz, denn wenn man jemanden unter das Gesetz zurückführt, bringt man ihn zwangsläufig unter die Verdammnis. Und das liegt in der Natur dieser Lehre.
Verwechslung von Gemeinde und Welt
Obwohl Israel viele Generationen umfasst, wird seine Geschichte doch als Gottes Handeln mit einem Sohn dargestellt. Es ist eine Nation mit einer Geschichte. So ist die Gemeinde ein geistlicher Leib, besteht aber aus vielen verschiedenen örtlichen Gemeinden an vielen verschiedenen Orten mit Menschen, die aus vielen verschiedenen Nationen kommen. Aber diese Glieder an dem Leib Jesu haben – im Gegensatz zum Volk Israel im Alten Testament – aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft keine gemeinsame Geschichte oder geistliche Entwicklung; siehe die neutestamentlichen Briefe sowie Offenbarung Kapitel 2 bis 4. So müssen wir hinsichtlich unserer menschlichen Herkunft sagen, dass die Gemeinde Jesu oder die christlichen Kirchen nicht als eine homogene physische Einheit betrachtet werden können wie die Glieder des Volkes Israel im Alten Testament. Wenn nun jemand wie Achan (Josua 7,1) oder Saul (2.Samuel 21,1) sündigte, so konnte dies Folgen haben für das ganze Volk Israel und den Segen Gottes für sie zurückhalten. Die moderne Lehre sagt: »Weil diese Menschen sündigten, entzog Gott dem ganzen Volk Israel Seinen Segen. Deshalb müssen auch wir – das Volk Gottes des Neuen Bundes – für die Sünden unserer Nation Buße tun!« Nun, zunächst: unser Volk, unser Bürgertum ist im Himmel, und zweitens: aus dieser Schriftstelle können wir keinesfalls den Schluss ziehen, dass die neutestamentliche Gemeinde die Sünden der Welt, die doch außerhalb der Gemeinde steht, bekennen und dafür Buße tun soll, also für das Land, in dem wir leben. Vielmehr erkennen wir daraus, dass die Sünde auch im Gottesvolk des Neuen Bundes Folgen hat, nämlich für diejenigen, die daran beteiligt sind, sei es eine ganze Gemeinde, seien es Einzelne, deren Verhalten natürlich auch Einfluss auf die Gemeinde hat (Römer 8,13; 1.Korinther 5,6; Offenbarung 2,5). Wir ernten, was wir gesät haben. Wenn wir etwas Verkehrtes getan haben, müssen wir es in Ordnung bringen. Und dazu braucht es manchmal mehr als nur Buße zu tun – manchmal ist es notwendig, zum Beispiel etwas wiederzuerstatten oder anderen etwas zu bekennen. Und wenn wir die Dinge nicht in Ordnung bringen, wie wir es tun sollten, betrüben wir natürlich den Heiligen Geist, und wir werden nicht in Gottes wahrem und vollem Segen leben. Sein Geist wird uns zu überführen suchen, bis wir die Dinge in Ordnung bringen. Wenn wir »auf das Fleisch gesät« haben, müssen wir jedenfalls in unserem Leben, vielleicht aber auch in dem Leben der Gemeinde Ordnung schaffen, indem wir Buße tun für unsere Sünden, die in unserem Leben ihre Folgen nach sich ziehen. Aber Buße tun für die Sünden der Welt oder für die Sünden früherer Generationen? Das ist keine biblische Lehre oder Praxis.
Diese Lehrer nehmen die Sünde Achans als Beispiel dafür, wie die Sünde eines einzelnen Menschen eine ganze Gesellschaft in Mitleidenschaft ziehen kann. Nun, Achan war ein Glied des Volkes Gottes, und seine Sünde zog Israel – Gottes Volk! – mit hinein, so dass ihnen tatsächlich Gottes Schutz und Segen entzogen wurden. Wenn man dies auf die neutestamentliche Gemeinde überträgt, ergibt sich als Konsequenz, dass Gott jeweils als Folge der Sünde eines Christen irgendwo auf der Welt allen Christen in der ganzen Welt Seinen Segen entziehen müsste, bis wir entdecken, wer der Sünder war, und als ganze Gemeinde weltweit für die Sünde dieses Gemeindegliedes Buße tun. Dann müsste also die ganze Gemeinde weltweit informiert sein und ständig Buße tun, wann immer ein einzelner Christ irgendwo auf der Welt sündigt, damit wir jeweils wieder unter Gottes Segen kommen könnten! Lieber Leser, können Sie erkennen, wie abwegig diese Lehre ist, indem ihre Erfinder Aussagen der Schrift für ihre Ideen zurechtbiegen?
Wie wir schon festgestellt haben, unterscheidet sich das Neue vom Alten Testament dadurch, dass Gottes auserwähltes Volk im Alten Testament mit einer bestimmten Nation mit ihrer einheitlichen Geschichte identisch ist. Dagegen besteht die Gemeinde des Neuen Testaments aus vielen Menschen an ganz verschiedenen Orten. Diese Leute bringen die biblischen Aussagen bezüglich Gemeinde und Welt total durcheinander. Es gibt im Neuen Testament kein einziges Beispiel dafür, dass die Gemeinde für die Sünden vergangener Generationen beten würde. Ebenso wenig ist die Gemeinde mit irgendeinem Volk oder Land der Erde identisch. Die Gemeinde besteht aus Seelen, die aus allen Stämmen und Nationen herausgerettet wurden!
In diesem Artikel werden die zwei Begriffe »Bekenntnis« und »Buße« verwendet, weil gerade diese beiden Worte in dieser modernen Lehre reichlich benützt werden, als ob sie bei uns die gleiche Situation voraussetzen könnten wie im Alten Testament. Einer ihrer eigenen Autoren sagt klipp und klar, dass es ein Missverständnis wäre zu meinen, dass alttestamentliche Männer wie Daniel oder Nehemia für die Sünden früherer Generationen hätten Buße tun können. Niemand kann Buße tun für Sünde, die er nicht selbst begangen hat. »Buße« bedeutet nämlich, dass ich meine Gesinnung ändere und mich von dem Übel abwende, das ich getan habe. Auch Daniel konnte nur Buße tun für Sünde, an der er zumindest mitbeteiligt war, aber er konnte nicht Buße tun für die Sünden der Väter – und er tat das auch nicht. Erstens waren es nicht seine eigenen Sünden (er bekannte seine eigene Sünde und tat dafür Buße, obwohl gerade er nie gegen Gott rebelliert hatte), und es ist auch nicht möglich, dass jemand Vergebung empfangen könnte für Menschen, die gestorben sind – das wäre wirklich eine abergläubische und gottlose Praxis!
Eines konnten Daniel und die anderen zitierten Zeugen ganz sicher tun: Sie konnten trauern über die Sünden des Volkes Gottes, zu dem sie gehörten. Daniels Liebe zu Gott und Seinem Volk musste ihn natürlich dahin führen, dass er sehr traurig darüber war, dass Israel gegen den Herrn rebellierte und dass das Volk Gottes sich durch seine Haltung selbst von Seinen reichen Segnungen abgeschnitten hatte. In der Tat sollte unser Bewusstsein der Einheit mit dem Volk Gottes des Neuen Bundes uns veranlassen, traurig zu sein und uns zu demütigen vor Gott, wenn die Gemeinde nicht in dem Erbe lebt, das Christus für uns auf Golgatha erworben hat. Anstatt die Gemeinde zu kritisieren, sollten wir uns demütigen und um Sein Erbarmen bitten, um Hilfe in der Zeit der Not, und natürlich kann damit sehr wohl verbunden sein, dass wir solche Dinge vor dem Herrn bekennen, die diese große Not unter uns, der Gemeinde Jesu, verursacht haben. Der Geist Christi wird uns ganz sicher in dieser Weise leiten (Römer 8,26.27; Epheser 6,19). Aber das ist nicht das gleiche, wie »für die Sünden eines anderen Menschen Buße tun«. Paulus betete sicher für die Heiligen (Galater 4,19), aber er tat nicht Buße für ihre Sünden. Er suchte den Herrn um ihretwillen, aber dann sorgte er dafür, dass sie das Wort der Wahrheit zu hören bekamen, damit sie zu Christus zurückgeführt werden könnten.
Wir sehen also: Was Bekenntnis oder Buße für die Sünden vergangener Generationen von Ungläubigen in Städten oder Nationen betrifft, hatten die Menschen Gottes in der Bibel niemals die Sicht, wie sie die modernen Lehrer propagieren. Ebenso wenig wurde dieses Gebet für vergangene Generationen für Gottes Volk praktiziert, wenn es um ihre eigenen Sünden ging. Diese Art des Bekennens gab es einzig in der Zeit von Israels Wegführung und Verbannung, und es galt allein für Israel wegen des einen Bundes, den Gott mit Israel geschlossen hatte, und Seines einzigartigen geschichtlichen Handelns mit ihnen aufgrund dieses Bundes. Und das Wichtigste dabei ist vielleicht, dass diese Art Bekenntnis für Sünden, die man »Sünden einer Generation« nennen könnte, geschah, bevor Christus auf Golgatha starb, der der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist, seit Er die Sünden der ganzen Menschheit weggetragen hat (1.Johannes 2,2). Die neue Lehre bringt etwas anderes auf und steht im Gegensatz zu der Fülle der Gnade, die in der Verkündigung von dem gekreuzigten Christus aufgezeigt wird.
Ein Bund Gottes mit den Nationen?
Es gibt noch einen anderen Punkt, der von der Schrift her geklärt werden sollte. Es war schon davon die Rede, dass man uns glauben machen will, wir müssten für die Städte oder Länder beten, in denen wir leben (also für die »Welt«), wie Daniel es für Israel tat (das Volk Gottes!), und dass Gott einen Bund mit den Nationen geschlossen hätte, der uns diese Art des Gebets ermöglichte. Wir haben gesehen, wie falsch das alles ist, aber wie schaffen diese Autoren den Sprung von dem Bund Gottes mit Seinem auserwählten Volk des Alten Bundes zu einem Bund mit den Ungläubigen? Nun, sie zitieren einen Vers aus 5.Mose 32,8, wo es heißt: »Als der Höchste den Völkern Land zuteilte und der Menschen Kinder voneinander schied, da setzte Er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Söhne Israels.« Dies bezieht sich auf die geografische Teilung der Erde. Nun sagt die neue Lehre, dass Gott dies nur tun konnte auf der Grundlage eines »rechtmäßigen Bundes« mit diesen Nationen, und deshalb hätten sie ein Bundesverhältnis zu Gott wie Israel es im Alten Testament hatte, und deshalb könne die Gemeinde auch beten für die Sünden in der Vergangenheit des Landes, in dem sie lebten! Es scheint, dass diese betrügerische Lehre keine Grenzen darin kennt, die Wahrheit zu verdrehen!
Jesus Christus hat etwas Neues hervorgebracht, um das Alte abzutun (Hebräer 7,12.18.19.22; 8,13; 10,9), aber diese Lehrer tischen ihre eigene Version des Alten auf und reißen damit das Neue nieder! »O, ihr törichten Galater, wer hat euch bezaubert?« Das sind alles Erfindungen des Aberglaubens. Wir haben klar gesehen, dass Daniels Bekenntnis sich auf Israels fortgesetzte Rebellion gegen Gott bezog, gegen die besondere Offenbarung Seiner selbst, die Er ihnen gegeben hatte, und gegen den Bund, den Er durch Abraham ganz ausschließlich mit ihnen geschlossen hatte. Dieser Bund hat keine Parallele mit irgendeiner anderen Nation.
Gott wollte der Welt mehr als nur ein irdisches Erbe zuteilen. Seine Verheißung für sie geht weit darüber hinaus: In Seiner Gnade hat Er für alle, die an Ihn glauben würden, das Heil in Christus vorbereitet – ganz gleich, von welchem Volk oder Stamm sie kommen würden! Das sagt Gottes Wort ganz klar, und wir freuen uns darin von ganzem Herzen! Aber nirgends spricht Gott davon, dass Christen oder irgendjemand sonst sich in diese abergläubische Praxis einlassen sollten, Sünden des Volkes oder vergangener Generationen zu bekennen und dafür Buße zu tun, als ob dies Gottes Segen oder die Rettung für unsere Stadt oder unser Land bewirken könnte. Von der Schrift her ist klar, dass Gott durch den Tod Seines Sohnes auf Golgatha bereits für alle Menschen die Tür für Segen und Heil geöffnet hat. Wir können für die Ausbreitung des Evangeliums beten, dass die Menschen die Botschaft von Christus als dem Gekreuzigten hören und sich von ihren Sünden zu Ihm bekehren, und Gott wird ihnen sofort ihre Sünden vergeben.
Der besagte Vers in 5.Mose 32,8, den einer dieser Autoren zitiert, findet sich auch bei Paulus in Apostelgeschichte 17,24-31 (siehe besonders Vers 26). Hier spricht Paulus zu den Athenern über ihren Götzendienst. Aber er sagt nichts davon, dass aufgrund von 2.Mose 20,5 Gottes Fluch auf ihnen liege und sie Buße tun müssten für den Götzendienst in ihrer Stadt – von dem sie sich gerade abgewendet hatten – um Gottes Segen freizusetzen. Nein! Er sagt ihnen, dass es Gott war, der ihren Ländern die Grenzen gesetzt habe, so dass es dieser lebendige Gott war, den sie suchen sollten (Vers 27). Aber er sagt nichts von einem Bundesverhältnis vom Alten Testament her, das jetzt von ihnen fordere, Buße zu tun für die vielen vergangenen Sünden oder die Kriege oder den Götzendienst des Stadtstaates von Athen! Stattdessen sagt er ihnen, dass Gott die Zeit ihrer Unwissenheit übersehen habe, jetzt aber alle Menschen zur Buße rufe. Und dann beginnt er ihnen von Jesus und Seiner Auferstehung zu predigen.
Ähnlich war es nach Apostelgeschichte 14,16 in Lystra, als dort die Menschen Paulus und Barnabas Opfer darbringen wollten. Paulus macht ihnen nicht vor, sie seien aufgrund ihres Götzendienstes unter einem Fluch Gottes und sie müssten Buße tun für die Sünden ihrer Vorfahren, damit Gott sie und ihre Stadt segnen könne. Nein! Er sagt ihnen, dass er ein Mensch sei wie sie, und klar und deutlich, aber voller Barmherzigkeit bittet er sie eindringlich, von ihrem Aberglauben zu dem lebendigen Gott umzukehren. Er verkündigt ihnen: »Zwar hat er in den vergangenen Zeiten alle Heiden ihre eigenen Wege gehen lassen; und doch hat er sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt« (Apostelgeschichte 14,16.17). Dies wäre doch für Paulus eine einzigartige Gelegenheit gewesen, die Lehre unter Beweis zu stellen, aber er tut nichts dergleichen; er hat überhaupt nirgends Fluch und Gericht gepredigt wegen »Sünden der Generationen«, die die Menschen bekennen und für die sie Buße tun müssten. Meine lieben Leser, bitte beachten Sie, dass die Heilige Schrift genau das Gegenteil zeigt wie diese Irrlehrer.
Gott lässt in der Predigt des Evangeliums keinerlei Verpflichtung auf die Nationen legen bezüglich der Sünden früherer Generationen (Römer 3,24.25). Tatsächlich sagt Paulus, dass Gott die Zeit ihrer Unwissenheit übersehen habe, und anstatt von Fluch zu sprechen, zeigt er ihnen auf, dass Gott über alle Generationen hin unablässig fortfährt, voller Barmherzigkeit Seinen göttlichen Segen auf alle Menschen auszuschütten. Das überrascht uns nicht. Denn entgegen dem, was die neue Lehre uns glauben machen will, hat Gott sich selbst den übrigen Nationen nicht in einer anderen Weise offenbart, als Er es mit dem Volk Israel im Alten Testament getan hat. Es gab für die Nationen keine andere Art und Weise der Offenbarung, als wie Er seine gerechte und heilige Natur durch das Gesetz und die Propheten offenbart hatte und wie Er sich ihnen in bestimmten Offenbarungen gezeigt hatte. Er hatte keinen Bund mit den Nationen geschlossen, aufgrund dessen Er sie nun richten würde. Abgesehen von der angeborenen Fähigkeit, Gott als ihren Schöpfer und Herrscher zu erkennen (Römer 1,19.20), hatten die »Heiden« grundsätzlich keine spezielle Offenbarung bezüglich Seiner gerechten Natur und Seiner gerechten Forderungen außer durch das Zeugnis Israels. So konnte Gott sie auch nicht in einer besonderen Weise für die Vergangenheit ihrer Völker verantwortlich machen. (»Wem wenig gegeben ist, von dem wird wenig gefordert.«) Im Gegenteil, Er war weiterhin gut zu ihnen und segnete sie, aber wie Paulus sagt, fordert Er sie jetzt auf, Buße zu tun – für ihre eigenen Sünden! – und zu dem lebendigen Gott umzukehren. Halleluja! Das ist das Evangelium für die Nationen!
Genau der Vers, den sie gebrauchen, um ihre Lehre zu unterstützen, 5.Mose 32,8, wird von Paulus zitiert, um genau das Gegenteil von ihren Ideen zu lehren! Sie sagen, du müsstest die Sünden »deines Landes« bekennen und dafür Buße tun aufgrund einer »Bündnisbeziehung« (?!) zwischen Gott und deinem Land, damit Gott dich und dieses Land wirklich segnen könne. Paulus sagt, Gott wisse, dass die Nationen Seine Natur und Seine Gerechtigkeit nicht erkannt hatten, und deshalb habe Er in Seiner Güte und Barmherzigkeit diese Zeit der Unwissenheit übersehen, aber jetzt fordere Er sie alle auf, Buße zu tun aufgrund des Heils, das in Jesus Christus angeboten werde! Das ist die Gnade, das Wunder und die Einfachheit des Evangeliums! Daran wollen wir festhalten, das wollen wir schätzen und verkündigen!
Die Grundlage dieser Lehre, mit der wir uns hier beschäftigen, beruht auf dem Irrtum, dass sie Gottes Volk und die »Nationen« durcheinander bringen und miteinander verwechseln. Sie behandeln Sünder und Ungläubige aus den Nationen so, als wären sie Gottes Volk, das unter dem Alten Bund lebt, und die Gemeinde solle so für die Welt beten, wie es Daniel für Israel tat! So begehen sie zwei gewaltige und fundamentale Irrtümer: Erstens sind die Heidenvölker nicht Gottes auserwähltes Volk und können weder im Gebet noch in der Verkündigung als solche behandelt werden (obwohl wir selbstverständlich für sie beten und ihnen das Evangelium predigen sollen). Zweitens: Als Jesus auf Golgatha starb, rief Er aus: »Es ist vollbracht!« Das schließt den Alten Bund mit ein. Er ist vollbracht, vollendet, denn Christus hat uns vom Gesetz erlöst (Römer 7,6). Das Gesetz und die Propheten waren bis Johannes den Täufer, aber jetzt wird das Königreich Gottes verkündigt (Matthäus 11,12.13; Lukas 16,16) – oder jedenfalls sollte dies geschehen! Wir sind nicht länger unter dem Alten Bund – aber genau da würden sie uns hinbringen, wenn sie könnten. Noch schlimmer: Was sie uns lehren, ist eine entstellte Form des Alten Bundes. Wir haben gesehen, wie ihre ganze Lehre auf ihrer eigenen Auslegung von 2.Mose 20,3-5 und 3.Mose 26,40 beruht. Ist das Offenbarung des Neuen Bundes?
TEIL ZWEI
Was die Heilige Schrift sagt
Das Evangelium
Diese moderne Lehre entfernt Christus aus dem Mittelpunkt, kehrt zum Alten Testament zurück und offenbart darin mangelndes Verständnis für die Botschaft des Neuen Bundes. Um das klar herauszustellen, wollen wir jetzt sehen, was die Bibel zu einigen dieser Punkte sagt. Wir haben bereits gesehen, dass das Neue Testament nicht ein einziges Beispiel für diese neue Art der Lehre enthält.
Stattdessen wollen wir jetzt sehen, was das Neue Testament lehrt.
In 2.Korinther 5,19 lesen wir: »Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.«
Römer 5,8.10 sagt: »Gott aber erweist Seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod Seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch Sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind.«
Und Epheser 2,16.17: »… und die beiden versöhne mit Gott in einem Leib durch das Kreuz, indem Er die Feindschaft tötete durch sich selbst. Und Er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.«
Das sind kostbare und bedeutsame Verse, weil sie das Herz des Evangeliums offenbaren, den Grund unseres Heils und die wunderbare Gnade Gottes an uns in Jesus Christus. »Als wir noch Sünder waren« – ehe wir noch an Gott dachten oder uns um Ihn oder Seine Gebote kümmerten, bevor wir den ersten Schritt in Seine Richtung taten, hat Er selbst, Gott der Vater durch Seinen Sohn Jesus, sich entschlossen, uns nahe zu kommen und um unsertwillen Vergebung unserer Sünden zu erwirken und deren Macht in unserem Leben zu brechen und die Möglichkeit zu schaffen, dass jedes Gericht über unser Leben aufgrund unserer Sünden in der Vergangenheit aufgehoben würde (Römer 3,24-28). Das tat Er auf Golgatha, indem Er freiwillig unsere Sünden wegtrug und ihre Kraft damit zerstörte. Und das war nicht eine nachträglich Überlegung. All dies geschah entsprechend Seiner ewigen Absicht und dem Wohlgefallen Seines Willens. Gott tat das alles aus freien Stücken um unsertwillen. Dass Menschen Vergebung empfangen und gerettet werden, geschieht durch Gottes Gnade und auf der Grundlage von Gottes Gnade. Es geschah für Menschen, die tot waren in ihren Übertretungen und Sünden (Epheser 2,4-9), und jetzt rechtfertigt Gott die Gottlosen allein durch den Glauben, ohne Werke des Gesetzes (Römer 4,4.5) – und ohne dass die Gläubigen Vergebung und Versöhnung für einzelne Sünder oder ganze Städte oder Nationen erarbeiten, indem sie für deren Sünden Buße tun. Mit anderen Worten, es geschieht, ohne dass jemand der Gnade und dem Werk Gottes, das Er durch Christus am Kreuz vollbracht hat, etwas hinzufügt.
Wir sind erlöst von unserem nichtigen Wandel, den wir durch die Tradition unserer Väter geerbt haben, durch das kostbare Blut Christi (1.Petrus 1,18.19). Es ist nicht nötig, nach den vergangenen Sünden unserer Väter zu fahnden mit der Absicht, für uns selbst das volle Heil und die vollkommene Freiheit zu erlangen. Christi Blut hat uns erlöst! Wer oder was wollte uns verdammen, uns anklagen oder uns in Knechtschaft halten? Die Sünden unserer Väter? Nein! Christi Blut reicht vollkommen und für alle Zeiten aus, und Sein Heil ist voll und frei für alle, die Buße tun und glauben. Manche dieser modernen Lehrer sagen, dass diese Verse aus 1.Petrus 1 den Gedanken der »Sünde von Generationen« bewiesen, und deshalb müssten wir die Sünden vergangener Generationen bekennen und dafür Buße tun. Nichts dergleichen ist der Fall. Diese Verse lehren vielmehr das genaue Gegenteil ihrer Grundsätze. Ihre Doktrin und ihre Darlegungen sind ein fortgesetzter Angriff auf das Werk Christi auf Golgatha, auf die Fülle und die Freiheit, die Gott in Christus allen Menschen anbietet.
Weiter lesen wir von unserer vollen Erlösung in Römer 5,15-21, dass Christus, der zweite Adam, die Sünde und das Gericht, die durch den ersten Adam über alle Menschen gekommen sind, durch Seinen Tod auf Golgatha freiwillig beseitigt hat. Dadurch kann Er allen, die glauben, Vergebung und Rechtfertigung anbieten. Mit anderen Worten, alle ihre Sünden werden nicht gegen sie verwendet, weil Christus die Last und die Verantwortung dafür getragen hat, wie schon Jesaja in dem zentralen 53. Kapitel berichtet. Das ist die Bedeutung von 2.Korinther 5,19.
Das ist die Frohe Botschaft des Evangeliums, und alle Menschen sind jetzt aufgerufen, dieser Guten Nachricht zu glauben und von ihren Sünden umzukehren. Dieser Glaube ist ihre Rettung. Deshalb lesen wir, dass Gott in Christus war … und ihnen ihre Sünden nicht zurechnet (denn Er hat sie selbst weggetragen). So lesen wir in Lukas 5, dass Jesus dem Lahmen, der zu Ihm gebracht wurde, um geheilt zu werden, die Vergebung seiner Sünden zusagte, und zwar umsonst, allein aufgrund dessen, dass er glaubte. In Johannes 8 sagt Er der Frau, die im Ehebruch ergriffen worden war, dass Er sie nicht verdamme, sondern sie solle gehen und nicht mehr sündigen. In Johannes 4 bietet Er einer samaritanischen Frau umsonst das »Wasser« des Heils an. Vollständige Vergebung war jetzt umsonst zu empfangen, und Gott versöhnte Männer und Frauen mit Ihm selbst, weil Er die große Sündenschranke, die alle Männer und Frauen von der Zeit Adams an in der Knechtschaft von Sünde und Tod hielt, beseitigt hatte. Die Grundlage aller Dinge wurde durch Golgatha verändert (»… denn alle Propheten und das Gesetz weissagten bis auf Johannes«, Matthäus 11,13). In Lukas 13,1-5 macht Jesus Seinen Zuhörern klar, dass es keine Menschen gibt, die größere Sünder wären als andere. Alle sind tot in Übertretungen und Sünden. Ob sie nun vor den Augen der sichtbaren Welt viele oder wenige Sünden begangen haben, macht keinen Unterschied. Die Beschaffenheit ist bei allen Menschen die gleiche (Römer 3,10.12.23). Es kommt nicht so sehr darauf an, was jemand tut; entscheidend ist, dass ihre Beschaffenheit die eines Sünders ist. Zwingende Folge davon sind Tod und Trennung von Gott. Diese Tatsache war im Alten Testament noch nicht völlig offenbart, weil es zu der Zeit auch noch kein volles und wirkliches Heilmittel für diese Beschaffenheit des Sünders gab (Galater 3,22-25; 4,3-5; Römer 3,19-22; Hebräer 1,1.2; 9,6.9; 10,1-4.9.10). Aber mit dem Kommen Jesu kam die Offenbarung des wahren Ausmaßes und der Tiefe der menschlichen Verderbtheit, weil Gott jetzt auch ein vollkommenes Heilmittel für diese Beschaffenheit bereitet hatte – und Er tat dies aus Seinem souveränen Willen, aus Seiner überfließenden Gnade und Liebe heraus. Er kam nicht, um sie für ihre Sünden zu verurteilen, für die Er ja sterben würde (Johannes 3,17; 12,47), sondern um allen, die Buße tun und dem Evangelium Glauben schenken würden, ein freies Heil anzubieten. Das ist der Sinn von Johannes 3,16-18. Gott wusste, dass alle Menschen unter der Knechtschaft der Sünde waren und dass aufgrund der Sünde der Tod in ihnen herrschte. Er hat sie für all die schlimmen Folgen von Adams Sünde nicht verdammt, denn Er war ja im Begriff, alle diese Sünde und Verdammnis auf Golgatha wegzutragen. Diese neue Lehre jedoch lässt alle diese Sünden, für die Jesus schon Sein Blut vergossen hat, wieder aufleben, und dann sollen die Heiligen für diese Sünden beten! Das würden diese Lehrer zwar abstreiten, aber nichtsdestoweniger ist das eine Konsequenz aus dem, was sie lehren.
Bezeichnend ist auch, wie sie 2.Korinther 5,19 missbrauchen. Sie behaupten, dieser Dienst der Versöhnung sei ein wichtiger Teil des Dienstes der Gemeinde. Ja, das ist so. Aber was meinen sie damit? Sie vergewaltigen die Aussage dieser Stelle, wenn sie sagen, es sei ein Teil des Dienstes der Gemeinde, die Welt mit Gott zu versöhnen (oder die Stadt oder das Land, in denen wir leben). Und wie geschieht das nach ihren Aussagen? Indem wir die Sünden unseres Landes bekennen und dafür Buße tun und das Blut Jesu für diese Sünden in Anspruch nehmen. Aber diese Auslegung stammt nicht von dem Apostel Paulus. Er sagt nicht, dass Gott in der Gemeinde wäre und die Gläubigen zum Bekenntnis und zur Buße für die Sünden einer weltlichen Gemeinschaft führen würde, um für sie Vergebung zu erwirken. Er sagt, dass Gott in Christus war, und dass Christus die Welt mit Ihm versöhnte, ohne ihnen ihre Übertretungen erneut zur Last zu legen. Was macht es also für einen Sinn, die Sünden, die Gott der Welt nicht zur Last legt, erneut aufleben zu lassen? Damit die Gemeinde Bekenntnis und Buße dafür vollziehen kann? Das ist ein Widerspruch und eine totale Verwirrung. Dieser ganze Abschnitt von Vers 14 bis 21 in 2.Korinther 5 bezieht sich doch darauf, was Gott auf Golgatha durch Christus für die Menschheit tat! Das Werk ist getan! Gott hat es getan! Es ist vollbracht! Und niemand kann dem etwas hinzufügen! Vers 18 sagt, dass Gott uns durch Jesus Christus mit Ihm selbst versöhnt hat. Es war nicht die Gemeinde, die dies durch ihre Gebete oder durch ihr Bekenntnis und ihre Buße getan hätte! Diese Lehre verdrängt das vollkommene Werk von Golgatha oder fügt ihm durch die Erfindung dieses zusätzlichen Werkes der Versöhnung etwas hinzu, das die Gemeinde zu erfüllen hätte.
Paulus bekennt in diesem Abschnitt niemandes Sünde oder tut Buße dafür. Was ist dieses »Wort« oder dieses »Amt der Versöhnung«, das Paulus in den Versen 18 und 19 erwähnt? Er sagt es uns selbst: »… der uns das Amt gegeben (hat), das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit Sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.« Die Verkündigung dieser Botschaft ist das Wort oder das Amt der Versöhnung. Den Menschen zu sagen, was Gott in Christus um ihretwillen getan hat, ist die Botschaft der Gnade, die allen Menschen Frieden und Versöhnung mit Gott ermöglicht. Sehen wir doch, was Paulus für das fleischliche Verhalten mancher Korinther tut. Er versucht nicht durch Bekenntnis und Buße Versöhnung für sie zu erwirken. Vielmehr erklärte er den Korinthern an dieser Stelle, was Gott in Christus um ihretwillen getan hat und was für Menschen sie folglich sein sollten. Im Licht dieser herrlichen Wahrheit bittet er sie, sich mit Gott versöhnen zu lassen – »als ob Gott euch durch uns anflehen würde (und nicht: Bußgebete durch uns sprechen würde!), bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!«.
Gehen wir weiter in unserem Thema. Das eigentliche Problem ist nicht, dass Menschen Diebstahl, Mord usw. begehen. Das Urteil ergeht dafür gegen sie, dass sie nicht der Guten Nachricht glauben und sich nicht von ihrer Finsternis abwenden. In Johannes 16,9 lesen wir, dass der Heilige Geist, wenn Er gekommen ist, die Menschen von der Sünde überführen werde. Nun ist es sehr wichtig, zur Kenntnis zu nehmen und zu verstehen, warum Er sie von Sünde überführt. In erster Linie geht es nämlich nicht um Lüge, Diebstahl, Zauberei, Ehebruch, Mord oder dergleichen. Der Heilige Geist überführt sie der Sünde, dass sie nicht glauben. Das ist es, was Menschen daran hindert, gerettet zu werden: ihr Unglaube. Golgatha hat die Sünde und ihre Macht zum Ende gebracht. Jetzt können Menschen Buße tun und dem Evangelium glauben. Die neue Lehre von der Buße für die Sünden anderer Sünder ist ein Angriff gegen die Wahrheit und untergräbt sie.
Natürlich braucht ein Mensch, der zum Beispiel in Unreinheit, Trunksucht oder Zauberei verstrickt war, besondere Befreiung von diesen Dingen in einer Weise, wie es vielleicht für andere nicht notwendig ist. Diese Dinge können das Leben eines Menschen beschädigen und zerstören. Aber die Antwort ist nicht, dass andere für deren Sünden Buße tun, sondern dass sie für sie beten, zum Beispiel, dass bei diesen Menschen eine Tür für die Botschaft des Evangeliums aufgehen möge. Das größte Hindernis für das Verständnis und die Annahme des Evangeliums ist nicht die Menge der begangenen Sünden, sondern der Unglaube der Menschen. In den Evangelien sehen wir, dass es die Sünder waren, die sich um Jesus scharten; die Räuber, die Prostituierten, die Unreinen und von Dämonen Besessenen – nicht die religiösen Menschen; genau diese glaubten nicht an Ihn! Gerade in Seiner Heimatstadt konnte Er nicht viele Wunder tun – nicht aufgrund der Schlechtigkeit dieser Stadt, sondern wegen ihres Unglaubens (Matthäus 13,58). Auch in der Apostelgeschichte waren es nicht in erster Linie die Sünden der Menschen – Zauberei, Trunksucht, Mord –, die den Widerstand gegen das Evangelium bewirkten. Genau solche Menschen waren es, die Paulus und andere Knechte Jesu Christi nach Gottes Willen aufsuchten – Städte wie zum Beispiel Samaria und Ephesus. Und Gott wirkte wunderbar, ohne dass gepredigt wurde, dass für die Sünden der Stadt Buße zu tun wäre, oder dass die Apostel in dieser Weise beteten. Das Problem war der Unglaube – die Härte der Herzen gegenüber der Wahrheit; oft gerade bei religiösen Menschen, ob sie nun Juden oder Götzendiener waren. So können wir es in der ganzen Apostelgeschichte beobachten.
(Natürlich werden die Menschen am Tag des Gerichts auch nach ihren Werken beurteilt werden. Das sagt die Bibel ganz klar, und das muss ihnen auch gesagt werden; aber in der Verkündigung des Evangeliums bieten wir in erster Linie allen Menschen Gottes freie Vergebung in Christus an, der um ihrer Rechtfertigung willen von den Toten auferstanden ist. Dieses Gnadengeschenk nicht im Glauben anzunehmen, das ist die Sünde der Menschheit.)
Im Licht dieser Wahrheiten und Offenbarungen wäre es gar nicht denkbar, dass die Apostel für die Sünden der Ungläubigen in ihren Städten und Ländern Buße taten oder andere baten, das stellvertretend für die Ungläubigen zu tun. Jesus Christus war bereits für ihre Sünden gestorben und hatte für ihre Versöhnung bezahlt (1.Johannes 2,2). Vergebung und Heil liegen in Christus schon bereit. Seitdem ist es der Weg zum Heil, der Frohen Botschaft zu glauben und ganz persönlich für die eigenen Sünden Buße zu tun. Christus hat einmal für die Sünden gelitten. Denken wir etwa, wir könnten zu Seinem vollbrachten Werk etwas hinzufügen, indem wir Buße tun für die Sünden anderer Menschen, um für sie Vergebung zu erlangen – wenn Sein auf Golgatha vergossenes Blut dies bereits erwirkt hat? Oder denken wir, dass unsere Buße für fremde Sünden Gott in die Lage versetzen könnte, ein ganzes Land oder eine Stadt mit dem Evangelium zu segnen? (Aufgrund dieser Lehre denken manche, sie wären in der gleichen Stellung wie Daniel, indem sie so handeln, aber sie befinden sich leider auf einem traurigen und schlimmen Irrweg.) Gott hat auf Golgatha für jeden Menschen persönlich den Weg zu völliger und freier Vergebung eröffnet!
Ebenso schlimm ist es, wenn Prediger und Evangelisten hingehen und öffentlich vor Gläubigen und Sündern gleichermaßen predigen, dass sie Buße tun müssten für die Sünden ihres Landes, anstatt die Ungläubigen mit der befreienden Botschaft des Evangeliums von Christus, dem Gekreuzigten, zu konfrontieren; dass nämlich Christus gestorben und von den Toten auferstanden ist und alle Sünde weggetragen hat zu ihrer Vergebung und Rechtfertigung! Stattdessen kommen sie in der Art alttestamentlicher Propheten wie Jona oder Jeremia und predigen einem ganzen Volk das Gericht Gottes aufgrund ihrer Sünden, während uns klar und deutlich gesagt ist, dass Gott, der in der Vergangenheit durch die Väter und die Propheten sprach, in diesen letzten Tagen durch den Sohn zu uns gesprochen hat. Es ist nicht einfach so, dass Gott nur eine andere Person mit der gleichen Botschaft beauftragt hätte, sondern aufgrund dieser Person, nämlich Jesus Christus und Seines Werkes, haben eine vollständig neue Botschaft und ein ganz neuer Dienst ihren Anfang genommen. Das Gesetz ist durch Mose gegeben, aber Gnade und Wahrheit sind durch Jesus Christus gekommen. Aber was diese Prediger heute verkündigen, ist dem Gesetz und dem Gericht Gottes näher als der Gnade des Evangeliums. Auch Jona sagte den Leuten von Ninive, dass jeder persönlich für seine Sünde Buße tun sollte. Er bat sie nicht, für die Sünden anderer in der Stadt Buße zu tun. Und auch Jona selbst tat nicht stellvertretend Buße für ihre Sünden!
Die Vergebung und Errettung, die Christus bereits für uns gewirkt hat, empfangen wir, wenn wir die Guten Nachricht hören und ihr Glauben schenken. Solange Menschen nicht selbst Buße tun für ihre Sünden oder persönlich die Frohe Botschaft hören, können unsere Gebete und unsere Buße Gott nicht veranlassen, ihnen ihre Sünden zu vergeben oder ihnen und ihrem Land Versöhnung zu bringen. So etwas zu denken und dem entsprechend zu handeln, ist nichts weiter als frommer Aberglaube und hat keine Grundlage im Wort Gottes. Ja, Gott hat ihnen aufgrund von Golgatha in Christus ihre Sünden vergeben. Aber die Vergebung wird nicht wirksam in ihrem Leben, solange sie nicht selbst Buße tun und dem Evangelium Glauben schenken. Lasst uns deshalb wirklich beten, dass der Herr Arbeiter in Seine Ernte sendet, um den Menschen das Wort Gottes zu bringen, damit sie zur Gemeinde hinzugetan werden.
Es ist eine Sache, zu beten, dass der Herr Arbeiter in Seine Ernte sende (Lukas 10,2) oder Seine Diener ausrüste, dass sie das Evangelium in Vollmacht verkündigen (Epheser 6,19) und dass sie durch Seine wunderbare Kraft die Ungläubigen wirklich erreichen (Apostelgeschichte 4,29.30) und dass wir Schmerzen empfinden wegen der Herzenshärte der Menschen um uns her und dass wir von Herzen zu Gott flehen um ihre Rettung (1.Timotheus 2,3.4; Römer 9,1-3;10,1), oder dass wir uns demütigen und beten und eintreten am Thron der Gnade Gottes für Sein gnädiges Eingreifen, wenn andere Gotteskinder sündigen oder in die Irre gehen (Galater 4,19). Das alles können und sollen wir tun. Aber es ist etwas ganz anderes, für die Sünden der Sünder Buße zu tun und dabei zu denken, wir könnten für sie und unser Land Vergebung und Versöhnung erlangen.
Welche Verwirrung der Gedanken und welche Torheit ist das! Wie weit sind wir abgewichen von biblischer Lehre und biblischem Gedankengut – erstens zu beten für das, was Gott schon getan hat (nämlich den Menschen in Christus Vergebung zu schenken, und zwar ganz umsonst), und dann zu versuchen, diese Vergebung in ihrem Leben in einer ganz unangemessenen Weise verwirklichen zu wollen, nämlich durch »identifizierendes Bekennen und Buße tun«! Wollen wir Gott versuchen, indem wir Sein Wort so ignorieren und Seiner Wahrheit zuwider handeln? Wir gehen davon aus, dass es nicht die Absicht dieser Leute ist, gegen die göttliche Wahrheit zu handeln. Und doch ist dies das Ergebnis und die Auswirkung dieser Lehre. Indem sie ihre Gebete für wirksam halten, um für Sünder Vergebung zu erlangen, fügen sie etwas zu dem Wirken Gottes in Jesus Christus hinzu und greifen in der Tat die Wahrheit an, dass Vergebung für alle Menschen bereits in Christus erlangt wurde. Sie verdrehen auch die Wahrheit über die Natur der Sünde und die Fülle der göttlichen Vergebung in Christus, wenn sie denken, es wären die offensichtlichen Sünden wie Trunksucht, Unreinheit, Zauberei usw., die das Evangelium daran hindern, in einer Gegend Eingang zu finden, anstatt dass sie erkennen: 1. Alle sind gleichermaßen tot in Übertretungen und Sünden. 2. Christus hat vollkommen für diese Sünden bezahlt. Die Frohe Botschaft besteht in erster Linie darin, dass den Menschen diese vollkommene und freie Vergebung und der Weg durch Buße und Umkehr zu neuem Leben verkündigt wird, und nicht, dass ihnen das Gericht um der Sünden willen gepredigt wird in der Art von alttestamentlichen Propheten, um sie zu veranlassen, für die Sünden anderer Buße zu tun – sei es in ihrer Stadt, in ihrer Gegend oder in ihrem Land. 3. Die Sünde, für die Menschen verdammt werden und die sie davon abhält, Vergebung und Erlösung zu erlangen, ist der Unglaube.
Was bedeutet »Evangelium«? Es bedeutet »Frohe Botschaft« oder »Gute Nachricht«. Preis sei Gott! Und der Ausdruck »das Evangelium verkündigen« in unserer Bibel ist oft die Übersetzung eines griechischen Wortes, euangelizo, was man im profanen Sprachgebrauch übersetzen kann mit »erklären, proklamieren« oder im biblischen Sinn mit »Gute Nachricht verkündigen«.
Schon beim Kommen Jesu in diese Welt gab der Engel Seine Geburt bekannt mit den Worten: »Ich verkündige euch große Freude« (Lukas 2,10). Nach Lukas 4,43 beginnt Jesus Seinen Dienst, indem Er die Gute Nachricht der Herrschaft Gottes proklamiert; und Er fährt fort, während Seines ganzen Dienstes diese Frohe Botschaft zu verkündigen (Lukas 8,1), und Er weist Seine Jünger an, sie aller Kreatur zu predigen! Und durch das ganze Neue Testament wird diese Botschaft von Gott, dieses Wort der Wahrheit, als »die Gute Nachricht« bezeichnet (Epheser 1,13) und wird allen angeboten (Kolosser 1,5.6; 2.Timotheus 4,17). Und Paulus schämte sich dieses Evangeliums nicht, »denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben« (Römer 1,16). Paulus drückt sich in dieser Beziehung sehr klar und bestimmt aus. Er sagt den Korinthern: »Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu predigen – nicht mit klugen Worten, damit nicht das Kreuz Christi zunichte werde« (1.Korinther 1,17). Paulus war entschlossen, ihnen kein Wissen anzubieten und weiterzugeben als »Jesus Christus den Gekreuzigten«, weil die Predigt vom Kreuz, wie er schreibt, die Kraft Gottes ist für alle, die gerettet werden (1.Korinther 1,18; 2,2). Warum kommen dann Menschen daher und predigen im Stil bestimmter alttestamentlicher Propheten, indem sie über ganze Städte und Länder Fluch und Gericht verkündigen wegen der Sünden ihrer Vorfahren? Warum geben sie sich dazu her, dem Evangelium ihre eigene Botschaft hinzuzufügen, die ihrer eigenen Weisheit entspringt und mit der sie das Evangelium seiner Wahrheit und Kraft berauben? Warum predigen sie dieses »andere Evangelium«? In ihren Büchern und Magazinen wie in öffentlichen Versammlungen sind sie unaufhörlich dabei, sie Missstände der Gesellschaft bloßzustellen, anstatt Christus zu predigen. Sie fordern die Menschen auf, für die Sünden ihrer Gesellschaft Buße zu tun, damit Gott Seinen Fluch und Sein Gericht über ihre Gegend aufheben könne. Welch eine Torheit! Welch ein Betrug! Welche Tragödie! Ruft es von den Dächern und lasst jedermann hören und verstehen, dass Gott durch Seinen Sohn Jesus Christus den Fluch und das Gericht, das um unser aller willen ergangen war, bereits aufgehoben hat! Wir empfangen freie Vergebung und ein freies Heil, wenn wir nur glauben und Buße tun – für unsere eigenen Sünden! Es ist keine weiter gehende Versöhnung oder Vergebung nötig und möglich, indem wir Buße tun für die Sünden der Ungläubigen. Das auf Golgatha vergossene Blut Jesu hat bereits die Voraussetzung für vollkommene Versöhnung und Vergebung geschaffen (Apostelgeschichte 13,38.39; Römer 5,18; Kolosser 2,13-15). In der ersten von Paulus überlieferten Predigt in Apostelgeschichte 13 sagt er seinen Zuhörern, dass Gott ihnen »das Wort dieses Heils« gesandt habe (Vers 26). Er fordert die Juden nicht auf, Buße zu tun für die Verstocktheit ihrer religiösen und politischen Führer, noch sagt er den gottesfürchtigen Heiden, sie sollten Buße tun für die Sünden Antiochiens, damit Gott sie und ihr Land segnen könnte.
(Ich möchte hier einfügen, dass es etwas anderes ist, wenn ein Mann Gottes kommt, um die Gemeinde zu warnen wegen des Zustands, in dem sie sich befindet und wenn die Gemeinde für ihren Zustand der Reinigung bedarf. Dafür haben wir etliche Beispiele im Neuen Testament. Ebenso soll niemand auf den Gedanken kommen, ich wäre gleichgültig gegenüber den Missständen in unserer Gesellschaft oder ich würde einer solchen Haltung Vorschub leisten. Ich habe oben schon betont, dass wir sehr wohl traurig sein und beten sollten bezüglich der Sünden um uns her. Ich wende mich lediglich gegen unbiblische Praktiken und Lehren in Bezug auf die Missstände in der Gesellschaft.)
Aufgrund vieler Bibelstellen sehen wir, dass es das zentrale Anliegen des Evangeliums ist, den Menschen Jesus Christus zu predigen (Apostelgeschichte 5,42; 8,12.25; 11,20) und Seine Auferstehung als Grundlage und Vertrauenszusage für Gottes Vergebung und Rettung zu erklären (Apostelgeschichte 2,22-44; 4,10-12; 5,30.31; 10,40-43; 13,30-33; 17,18). Das ist das Evangelium. Dieses Beispiel und Vorbild finden wir im Neuen Testament. Es ist die Auferstehung Jesu Christi, die zentral und entscheidend ist für die Verkündigung des Evangeliums, weil die Menschen ausschließlich auf diesem Wege Vergebung und Rettung erlangen können. Die größte Gefahr liegt jetzt darin, dass jemand es ablehnt zu glauben und diese Gute Nachricht anzunehmen (Apostelgeschichte 13,40.41.46). Aber grundsätzlich bringt dieses Evangelium allen Menschen ohne Unterschied eine Botschaft des Friedens (Apostelgeschichte 10,36). Es ist die Botschaft von Gottes Gnade (Apostelgeschichte 20,24), und sie wird ausdrücklich als das Evangelium unserer Rettung bezeichnet (Epheser 1,13). Es ist das Evangelium der vollkommenen und wunderbaren Gnade, die uns die Kraft des ewigen Lebens schenkt (2.Timotheus 1,9.10) – wahrhaftig ein herrliches Evangelium (1.Timotheus 1,11)! Dieses Evangelium ist in der Tat die Frohe Botschaft (1.Thessalonicher 2,2.9) Gottes und Seines Sohnes, des Herrn Jesus Christus (2.Korinther 2,12; 9,13)!
Nun mag man sagen, das alles sei ja nun hinreichend klar. Aber genau diese so klare und offensichtliche Wahrheit, dieses Evangelium wird so schändlich verdreht (Galater 1,7) und durch diese und andere moderne Lehren verdunkelt. Sie predigen Fluch und Verdammnis. Sie legen den Menschen unnötige Lasten auf. Sie führen sie in unbiblische und ungesunde endlose Nachforschungen und »Ausgrabungen« der Sünden und Missstände in ihrer Gesellschaft, ihren Städten und Ländern. Sie veröffentlichen diese Dinge in ihren Gebetsbriefen und Zeitschriften und halten es für ein Zeichen ihrer geistlichen Reife, wenn sie okkulte Praktiken und Hexerei usw. aufdecken, und sie können diese Dinge in ihrer Literatur gar nicht ausführlich genug beschreiben und illustrieren in unnötigen und unerbaulichen Einzelheiten. Sie richten die Herzen der Gläubigen ganz auf diese Dingen aus und füllen ihre Gedanken damit, und dann wollen sie unsere Herzen auch noch dazu verpflichten, darüber Buße zu tun und so zu beten, als wären es unsere eigenen Sünden, und das Blut Jesu dafür in Anspruch zu nehmen, um Versöhnung zustande zu bringen, so dass Gottes Fluch und Gericht abgewendet würde. Das alles hat viel mehr mit Aberglauben zu tun als mit dem Evangelium. Es bedeutet, die Menschen in ein Fantasiegebilde von religiösen Ideen einzutauchen, die sie von der einfachen Wahrheit in Christus wegführt.
Es gibt heute Christen und christliche Kreise, die immer auf der Suche nach »neuen« Wegen sind, um das Evangelium zu verbreiten und erfolgreich zu machen. Aber ihr übertriebener Hang nach Erfolg und Effekt, zusammen mit der Bereitschaft, ihre eigenen übernatürlichen Erfahrungen ungeprüft zu akzeptieren – seien es verschiedene Arten von Visionen oder andere so genannte Geistesgaben – haben sie empfänglich gemacht für irreführende Geister. Sie konzentrieren sich dann auf die wenigen Bibelstellen, die ihre Theorien zu untermauern scheinen, aber sie ignorieren dabei das Gesamtzeugnis der Schrift und präsentieren uns auf diese Weise etwas, das alles andere als das biblische Evangelium ist. Das biblische Evangelium ist keine menschliche Angelegenheit (Galater 1,16). Kein Mensch hat es sich ausgedacht, und kein Mensch kann es verändern. Kein Mensch kann ihm etwas hinzufügen oder einen ganz neuen Gesichtspunkt darin entdecken. Es ist Gottes Evangelium, und es ist ewig.
Wenn ein Diener Gottes sich vor dem Herrn demütigt und ernstlich zu Ihm betet, mag es schon sein, dass Er diesen Menschen tatsächlich als Sein Werkzeug gebraucht, auch wenn die Gedanken und Worte dieses Beters nicht in allem richtig sind. Gott sieht unser Herz an, selbst wenn unser Denken nicht immer korrekt ist. Durch die ganze Geschichte hindurch hat Gott immer wieder geistliche Bewegungen gewirkt. Aber diese Bewegungen von Gott her verbürgen nicht automatisch alles als richtig, was die Menschen, die an dieser Erweckung beteiligt waren, glaubten und taten. Aber diese modernen Lehren sind noch nicht einmal biblisch belegbar oder für unser christliches Denken schlüssig, obwohl diejenigen, die daran glauben, viel Geld, Zeit und Kraft aufwenden, um ihre Ideen zu vermarkten und zu zeigen, wie erfolgreich diese neuen Strategien in der ganzen Welt sind. Im Gegenteil – und das ist der Grund, weshalb dieser Artikel geschrieben wurde: Diese modernen Lehren richten Verwirrung und Chaos an, ohne die Flut des Bösen in irgendeiner Weise einzudämmen, und an vielen Orten bringt ihr Tun keinen »Nutzen«, außer dem, dass die Gläubigen von ihrer wahren Berufung abgelenkt werden. Diese Lehren treten an die Stelle der Verkündigung des Evangeliums, sowohl nach außen zu den Ungläubigen wie auch zu den Gläubigen in den Gemeinden. Das Ergebnis ist, dass sich ihre Anhänger mit Gedanken von Gesetz, Gericht und Fluch beschäftigen – Gedanken, die sie zu abergläubischer »Buße« und irreführenden Emotionen führen. Das alles wird an die Stelle des Evangeliums unseres Herrn Jesus Christus gesetzt.
Ich glaube nicht einmal, dass dies in böser Absicht geschieht. Ich sage auch nicht, dass diese Lehrer keine Gotteskinder sind. Paulus schrieb an die Gläubigen in den Gemeinden von Galatien und Korinth. Sie glaubten an die grundlegenden Wahrheiten, an die wir alle glauben, bezüglich Christus und Sein Blut. Aber dann nahmen sie (nämlich die Galater) zusätzlich andere Lehren an, oder sie (nämlich die Korinther) konzentrierten sich zu sehr auf die äußerlichen Dinge mit einem sehr fleischlichen Verlangen nach Kraft, Anerkennung und Ehre. Paulus schreibt ihnen aus ehrlicher Verantwortung für sie und aus Treue zu Gott und Seiner Wahrheit und warnt sie, weil sie im Begriff sind, von der Wahrheit abzuirren, wo Christus ihnen keinen Nutzen mehr bringen könnte (Galater 3,4; 4,11.20; 5,4). Er warnt die Christen in Korinth, dass sie durch ihr fleischliches Verhalten und ihre Ehrsucht nahe daran sind, vom Teufel verführt zu werden und einen anderen Jesus, einen anderen Geist und ein anderes Evangelium anzunehmen – denn auch Satan verstellt sich in einen Engel des Lichts, und seine Diener verstellen sich in Diener der Gerechtigkeit. Von diesen trügerischen Geistesmächten verführt zu werden, war die Gefahr, in der sich die Korinther befanden (2.Korinther 11,1-20).
Wenn das in den ersten Gemeinden möglich war, sollten wir nicht allzu überrascht sein, wenn es auch heute geschieht – obwohl es uns natürlich tief erschüttert. Und diese Dinge geschehen heute tatsächlich! Menschen sind im Begriff, ein anderes Evangelium anzunehmen, einen anderen Jesus und einen anderen Geist – wenn es nicht schon geschehen ist! Und dieser Artikel, wenn er auch sehr unvollkommen ist, soll ein Schrei für die Umkehr zu der Einfachheit sein, die in Christus ist, und zu dem ewigen, unveränderlichen Evangelium Gottes: Seine Kraft der Erlösung, die der Menschheit frei und umsonst angeboten wird!
Erinnern wir uns daran, was diese Lehre beinhaltet, damit niemand missversteht, was wir hier sagen. Diese Lehre sagt den Christen, sie müssten die Sünden der Sünder um sie her bekennen und/oder dafür Buße tun – der Sünder an ihrem Ort, ihrer Gegend oder ihrem Land – und eben bekennen, sie selbst hätten aufgrund dieser Sünden der Menschen um sie her gegen Gott gesündigt. Sie sollen das tun, um für ihr Land usw. Gottes Vergebung zu empfangen und Versöhnung zu bewirken. Mit anderen Worten, die Gemeinde müsste Buße tun für die Sünden der Welt und diese Sünden als ihre eigenen bekennen, um Gottes Vergebung zu erlangen. Andernfalls würde Gottes Gericht oder Fluch auf ihrem Land bleiben. (Beachten Sie, dass diese Lehren von Land zu Land auch ein wenig von einander abweichen können.) Nun, wir wissen, dass Gott das Herz ansieht und dass Er noch immer den Schrei des Herzens hört, selbst wenn unser Denken und die Worte unserer Gebete nicht korrekt sind. Aber das gibt uns nicht die Berechtigung, unsere Gedanken mit Ideen zu füllen, die ganz unbiblisch sind und nur dazu führen, uns blind zu machen für die Wahrheit, die in Jesus Christus ist. Das Neue Testament gibt uns absolut keinen Anlass, solchen Ideen zu glauben oder sie auch nur in Gedanken zu erwägen.
Gebet im Neuen Testament
Was lehrt nun das Neue Testament über das Gebet? Welche Beispiele finden wir dort? Beginnen wir bei dem Sohn Gottes. In Johannes Kapitel 17 gibt Jesus im Gebet den tiefsten Gedanken Seines Herzens Ausdruck. Wir können sagen, dass in diesem Gebet etwas von dem Herzen Gottes offenbart wird. Wenn wir sorgfältig auf dieses Gebet achten, sehen wir, dass Jesus hier nicht viele Bitten vorbringt, aber eines der Dinge, die Er sagt, ist dieses:
»Ich … bitte nicht für die Welt, sondern für die, die Du mir gegeben hast …« (Vers 9).
Hast du jemals jemanden darüber predigen gehört? Es ist ein vernachlässigter Vers. Aber er hat seine eigene wichtige Bedeutung, von Christus selbst ausgesprochen. Jesus betete für die, die Gott Ihm gegeben hatte, Seine Nachfolger. Er kam, um Sünder zur Buße zu rufen, und Sein Weg ging zum Sterben für die Sünden der Welt. Der Vater liebte die Welt so sehr, dass Er Seinen einzigen Sohn gab, weil Er nicht wollte, dass irgendjemand verloren geht. Alle Menschen liegen Gott am Herzen. Und doch bat Jesus nicht für die Welt, als Er hier zu Seinem Vater betete. Er betete für die, die bereits Gottes Eigentum geworden waren. Das war Sein großes Anliegen, als Er so betete, und so ist es bis zum heutigen Tag geblieben. Was tut Jesus »zur Rechten Gottes«? In Römer 8,34 wird uns gesagt, dass Er für uns eintritt – für die Gläubigen. Und in Hebräer 7,25 steht, dass Er für immer lebt und sich für die verwendet, die durch Ihn zu Gott kommen. Das ist Sein beständiger Dienst, wie uns Gottes Wort zeigt. Nicht nur hier in Johannes 17 betet Jesus so. Und dann sagt man uns, wir sollten fortgesetzt beten und Buße tun für die Sünden der Welt! Was für ein Gegensatz zu der Offenbarung des Wortes Gottes!
Natürlich gibt es weitere Schriftstellen, die wir anschauen sollten, um ein umfassenderes Bild bezüglich des Gebets zu erhalten; und ich möchte nicht die Verse in Johannes 17 isoliert darstellen und damit eine beschränkte Auslegung dieses Themas geben, als ob es nur ein Anliegen für eine Art des Betens gäbe. So wollen wir darauf achten, welche Hauptrichtung und -betonung bezüglich des Gebets in der Bibel erkennbar ist. Dann werden wir in der Lage sein, einiges Verständnis für diese Dinge zu gewinnen und zu unterscheiden, was grundlegend ist und was nicht.
Was wissen wir von dem Dienst des Heiligen Geistes im Gebet? Welche Richtung nimmt Er im Gebet? Nun, mit dem Heiligen Geist ist es wie mit Jesus Christus. In Römer 8,26.27 lesen wir, dass sich der Heilige Geist mit unaussprechlichen Seufzern für uns einsetzt. An anderer Stelle sagt Paulus, dass sich der Heilige Geist gemäß dem Willen Gottes für die Heiligen verwendet. Was für Wahrheiten die Bibel auch sonst enthält, offenbart sie doch, dass der wichtigste Gebetsdienst des Sohnes und des Heiligen Geistes das Gebet für die Gläubigen ist.
Und wie ist es mit den Gläubigen selbst? Wofür sollten sie beten? Als wichtigste Aussage in der Bibel finden wir zu diesem Thema, dass die Gläubigen füreinander beten sollen, genau wie der Sohn und der Geist für die Gläubigen beten, wie wir oben gesehen haben. In Epheser 6,10-18 wird uns gesagt, wir sollen stark sein in dem Herrn und in der Macht Seiner Stärke, weil unser Kampf nicht mit Fleisch und Blut ist, sondern mit den Mächtigen und Gewalten usw. Mit anderen Worten, wir haben es nicht mit einem fleischlichen, sondern mit einem geistlichen Feind zu tun. Wie lautet die Anweisung des Apostels Paulus angesichts dieser Tatsache? Sagt er, wir sollten im Gebet gegen diese Mächtigen und Gewaltigen, gegen die Herrscher der Finsternis dieser Welt und gegen die geistliche Bosheit in der Luft angehen, um sie zu binden? Nein, wir finden nichts dergleichen! Weder hier noch irgendwo sonst werden die Gläubigen in den Briefen des Apostels Paulus so belehrt. Und weder Petrus noch Jakobus oder Johannes geben den Christen derartige Anleitung. Weil der Feind eine geistliche Macht ist, weist Paulus die Gläubigen an, die ganze Waffenrüstung Gottes zu ergreifen – das bedeutet, sie müssen geistlich leben und wandeln, indem sie diese Waffenrüstung gebrauchen. Diese Stelle lehrt uns, dass unser Wandel, unser tägliches Leben geistlich sein muss, damit wir dem Feind, der eine geistliche Macht ist, und seinen Strategien standhalten können. Wir sind ständig der Versuchung Satans ausgesetzt, von dem vollkommenen Vertrauen und Glauben an Gott abzuweichen, indem der Widersacher Zweifel, Entmutigung, Lügen und falsche Wünsche in unsere Herzen pflanzt. Wir müssen im Gehorsam des Glaubens und der Liebe gegenüber unserem Gott leben, indem wir die Lügen des Feindes von unseren Herzen und Gedanken abwehren. Das ist geistliche Kampfführung. Das bedeutet geistlich wandeln und leben. Indem wir so mit der geistlichen Waffenrüstung bekleidet sind, weist Paulus uns an, zu beten (Epheser 6,18). Wogegen? Gegen Gewalten und Mächte usw.? Nein! Er sagt uns, wir sollten beten »mit Bitten und Flehen … für alle Heiligen«. In der Waffenrüstung stehend, d.h. geistlich lebend und wandelnd, sind wir in der Lage, wirkungsvoll füreinander zu beten. In unserem persönlichen Wandel vor Gott müssen wir den Versuchungen des Teufels widerstehen, an Gott zu zweifeln oder von Ihm weggeführt zu werden, und ein solcher Wandel befähigt uns, wirkungsvoll für die Gläubigen zu beten. Das ist die göttliche Lehre durch den Apostel Paulus. Diese Menschen führen uns in die Irre, wenn sie etwas anderes lehren, nämlich dass wir gegen Mächte und Gewalten beten sollen. Davon ist bei Paulus nicht die Rede. Es geht hier um eine sehr ernste Angelegenheit. Paulus weist uns nicht nur an, für alle Heiligen zu beten, sondern er ermahnt uns: »Wacht dazu mit aller Beharrlichkeit im Gebet.« Mit anderen Worten, wenn wir füreinander beten, müssen wir beständig auf der Hut sein, dass wir wirklich auf die Bedürfnisse der Heiligen und auf die Auswirkung unserer Gebete für sie bedacht sind. (Diese Lehrer wollen, dass wir unsere Aufmerksamkeit ständig auf jede Art von Bösem, Sünde und Zauberei rund um uns her konzentrieren.)
Und was tut Paulus selbst? Wie betet er? Am meisten betet er für die Heiligen – beständig; er betet, dass sie wachsen und zunehmen möchten in der Liebe und Erkenntnis Gottes und die Fülle ihres Erbes und Heils in Christus erkennen. Fast alle seine Gebete im Neuen Testament sind solcher Natur. So sagt er den Philippern, dass er allezeit im Gebet an sie denkt, und wenn er schreibt, sagt er ihnen von seiner Fürbitte für sie, dass ihre Liebe mehr und mehr überfließen möchte (Philipper 1,4.9). Das ist gewöhnlich sein Zeugnis von seinem Beten; siehe auch Römer 1,9; Galater 4,19; Epheser 1,16-20; 3,14-19; Kolosser 1,3.9-11; 2,2.3; 1.Thessalonicher 1,2.3; 2.Thessalonicher 1,3.11.12; 2.Timotheus 1,3; Philemon 4. Epaphras betet in derselben Weise, Kolosser 4,12. So sehen wir ganz klar, dass die meisten Beispiele für Gebete in den neutestamentlichen Briefen Gebete für die Gläubigen sind, für ihr Wachstum in Christus und für den Dienst der Gemeinde an den Menschen. Es gibt auch andere Beispiele, die allgemeine Ermahnungen zum Gebet sind, wie Kolosser 4,2 und 1.Thessalonicher 5,17. Wieder andere führen konkrete Anliegen an, für die gebetet werden soll, und die wollen wir uns genauer ansehen. Aber wiederum stellen wir fest, dass es keine einzige Bibelstelle gibt, die uns dahin führen könnte, Sünden von Ungläubigen im Gebet zu bekennen oder dafür Buße zu tun.
Damit kommen wir zu einem weiteren Anliegen, wofür Jesus in Johannes 17 zum Vater betete. Vers 20: »Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden.« Jesus betet also nicht nur für Seine Jünger, sondern auch für diejenigen, die durch ihr Wort zum Glauben kommen werden. Er betet für die, die erst in der Zukunft der Gemeinde hinzugefügt werden. Jesus erwartet also, dass auch durch den Dienst Seiner Jünger Menschen gerettet werden. Deshalb ermahnt Er sie auch zu beten, dass der Herr der Ernte Arbeiter aussenden solle, und natürlich gilt Sein Auftrag zuerst ihnen selbst, das Evangelium aller Kreatur zu verkündigen (Lukas 24,46.47; Markus 16,15.16). Und wenn Schwierigkeiten kommen, finden wir die Gemeinde im Gebet, nicht gegen Herrschaften und Gewalten, nicht indem sie Buße tun für die harten Herzen der Menschen in ihrer Stadt; sondern entsprechend dem Beispiel Jesu in Johannes 17 beten sie, dass der Herr ihnen Freimut gebe, Sein Wort zu verkündigen, und dass der Herr Wunder wirken möge unter den Menschen (Apostelgeschichte 4,29.30).
In Römer 15,30-32 bittet Paulus die Christen in Rom, sich im Gebet für das Werk des Dienstes mit ihm zu vereinigen, dass er vor den Ungläubigen in Judäa gerettet würde. Da wird nichts erwähnt von Buße für die Sünden derer, die dem Evangelium Widerstand leisten. Beachte besonders, dass Paulus weder hier noch an irgendeiner anderen Stelle in seinem Brief an die Römer (einschließlich Kapitel 9 – 11) darauf hinweist, dass die Christen in Rom Buße tun sollten für die Sünden in Rom und dem Römischen Reich, das doch das Land Israel besiegt und besetzt hatte und jetzt über Israel herrschte. In diesem Brief hätte er eine hervorragende Möglichkeit gehabt, ihnen klarzumachen, dass Rom gegen das Volk Israel gesündigt hatte und dass es ihre geistliche Pflicht als römische Bürger wäre, sich mit den Sünden ihres Landes zu identifizieren und für diese Sünden gegen Israel Buße zu tun. Der gelehrte Paulus weiß so gut wie irgendjemand, was das Alte Testament über Buße und über die Bedeutung Israels als Gottes Volk sagt. Aber er erwähnt mit keinem Wort etwas dergleichen. Diese Lehre steht völlig im Gegensatz sowohl zu dem, was Paulus schreibt wie auch zu dem Gesamtzeugnis des Neuen Testaments. Paulus warnt die Christen ausdrücklich, nicht hochmütig zu sein gegenüber den Juden (Kapitel 11), aber er bittet sie nicht, für anderer Leute Sünden Buße zu tun. Wenn es sich also nicht um Apostellehre handelt, woher haben diese Prediger unserer Tage dann ihre Autorität und ihre Offenbarung? Leider offensichtlich nicht von Gott.
Im gleichen Sinn schreibt Paulus den Korinthern (2.Korinther 1,11), wenn er sie bittet, für ihn und die mit ihm sind zu beten. In Epheser 6 haben wir bereits festgestellt, dass Paulus die Christen ermahnt, für die Heiligen zu beten, und dann in Vers 19 (entsprechend dem Vorbild – oder wir könnten sagen: nach dem Herzen – Jesu in Johannes 17) bittet er sie zu beten, dass ihm ein freudiges Auftun des Mundes gegeben würde, um das Geheimnis des Evangeliums bekannt zu machen. Auch andere Gemeinden bittet er ähnlich um Gebet für ihn und für den Dienst am Wort (Philipper 1,18.19; Kolosser 4,2.3; 1.Thessalonicher 5,25; 2.Thessalonicher 3,1). Dabei betrachten wir hier nicht nur ein paar speziell ausgewählte Verse zu diesem Thema. Dieses Studium schließt nahezu alle Ermahnungen zum Gebet im Neuen Testament ein. Und keines der Zitate, die man zum Thema »Buße« finden kann, hat etwas mit Buße der Gläubigen für Sünden der Nation oder der Stadt zu tun. Den Philippern schreibt Paulus, dass sie alles ohne Murren und ohne Zweifel tun sollen. Warum? »… damit ihr ohne Tadel und lauter seid, Gottes Kinder, ohne Makel mitten unter einem verdorbenen und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr scheint als Lichter in der Welt, dadurch dass ihr festhaltet am Wort des Lebens« (Philipper 2,15.16). Es ist Paulus wichtig, dass sie Christus bezeugen sollten sowohl durch ihren Wandel wie durch ihr Zeugnis. Das ist alles im Einklang mit dem Gebet Jesu in Johannes 17, wo Er betet, dass sie geheiligt sein mögen durch die Wahrheit, gesandt in die Welt, damit andere durch ihr Wort glauben könnten (Vers 17-20) – und dass sie alle eins sein sollten.
Wir kommen zu weiteren Bibelstellen, die uns anleiten, wie wir beten sollen. In 1.Timotheus 2,1-4 werden wir ermahnt, für alle Menschen zu beten, und im besonderen erwähnt Paulus die Menschen, die die Macht haben, und er erklärt auch den Zweck dieser Gebete, nämlich dass wir solche sozialen Bedingungen haben könnten, die es uns ermöglichen, ein göttliches Leben in Frieden zu führen. Die Verse 3 und 4 weisen darauf hin, dass dieses Verhalten auch mithilft, das Evangelium unter den Menschen im Umfeld der Gemeinde zu verbreiten.
Wir sollen also für die Regierung und die Obrigkeit beten, dass solche Leute ans Ruder kämen, die Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und friedevolle Bedingungen fördern, was auch hilfreicher ist, dem Evangelium Bahn zu brechen und die Herzen der Ungläubigen zu erreichen, als wenn in unserem Land Ungerechtigkeit, Unruhe oder Krieg herrschen. (Trotzdem wissen wir natürlich aus der Apostelgeschichte, dass das Evangelium gerade auch unter Verfolgung ausgebreitet werden kann.) In dieser Hinsicht ist Römer 13,1-7 und Titus 3,1.2 zu beachten, wo wir ermahnt werden, uns jeglicher Obrigkeit zu unterwerfen und ihr den Respekt zu erzeigen, der ihr gebührt. Obwohl der Zusammenhang unterschiedlich ist, hat in diesem Zusammenhang auch 2.Petrus 2,10-12 eine gewisse Bedeutung. Alle diese Stellen ermahnen uns, wir sollen uns den menschlichen Autoritäten nicht widersetzen, sie nicht verleumden und nicht über sie lästern. Das heißt, auch wenn wir sie ganz klar als sündige Menschen erkennen, haben wir kein Recht, sie anzuprangern und in der Art von alttestamentlichen Propheten unser Urteil über sie zu fällen. Es gibt im Neuen Testament kein Beispiel und erst recht keine Lehre, die uns anleiten würde, so zu handeln oder zu reden. Studiere selbst die Apostelgeschichte. Die Gesellschaft war zu jener Zeit voller Ungerechtigkeit und Bosheit; und wie haben die Gläubigen sich verhalten? Lasst uns alle Möglichkeiten ausnützen, das Evangelium zu verkündigen, aber hüten wir uns davor, soziale Reformen mit dem Evangelium verwechseln oder zu vermischen. Der wichtigste Dienst der Gemeinde gegenüber der Welt ist noch immer, die Menschen zu einer inneren geistlichen Erneuerung hinzuführen – vom Tod zum Leben, von der Sünde zur Gerechtigkeit. Wenn man soziale Reformen überbetont, werden die Menschen missverstehen, was es mit dem Evangelium wirklich auf sich hat. Wenn man uns gewähren lässt, spricht nichts dagegen, dass wir – entsprechend unserem Gewissen und unserem Glauben – unsere demokratischen Rechte gebrauchen, um uns für soziale Reformen einzusetzen. Aber die Verkündigung des Evangeliums in unseren Tagen der Gnade in Wort und Tat und Vorbild unterscheidet sich und sollte zu unterscheiden sein von der Art, in der alttestamentliche Propheten auftraten und Gottes Wort verkündigten. Leider werden diese Dinge hier verwechselt, und wir werden in alttestamentliche Wege des Denkens und Verhaltens zurückgeführt – Wege, die in Christus abgetan wurden (Hebräer 1,1.2). Ich wende mich nicht dagegen, die Leute auf das kommende Gericht hinzuweisen, aber wir sollten uns nicht verführen oder gar zwingen lassen, etwas zu tun, was uns nicht in der Schrift befohlen wird. Zum Beispiel haben weder Jesus noch die Apostel gegenüber irgendwelchen herrschenden Autoritäten für soziale Reformen protestiert, obwohl es zu ihrer Zeit genügend Missstände gab. Manche sagen, sie hätten das nicht getan, weil es in jenen Tagen gar keine Möglichkeit dazu gab. Aber wenn es eine christliche Pflicht ist, sich für Veränderung einzusetzen, wären nicht die Apostel unabhängig von den gesellschaftlichen Bedingungen verpflichtet gewesen, es zu tun? Aber viel schwerer als diese Überlegungen wiegt die Tatsache, dass es keinerlei Anweisung oder Anhaltspunkte dafür gibt, weder von dem Herrn Jesus noch von den Aposteln in ihren Briefen (im Blick auf spätere Generationen, die mehr Freiheit zum Protest haben würden) in der Richtung, dass wir uns für soziale Reformen einsetzen oder die Obrigkeit kritisieren sollten. Ich sage nicht, dass Christen das nicht tun dürften, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt, aber niemand kann sich auf das Neue Testament berufen und sagen, Christen müssten sich in dieser Weise in politischen und gesellschaftlichen Angelegenheiten engagieren. Jeder soll für sein Handeln seinem eigenen Gewissen folgen, ohne dass wir einander unter Druck setzen oder einander richten! Unter Umständen müssen wir in extremen Fällen Stellung beziehen, wenn ungerechte oder boshafte Menschen uns mit Gewalt zwingen wollen, entgegen dem Willen Gottes zu handeln. In jedem Fall sollte es aber unser Hauptziel sein, dass Menschen in Gottes Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freude hineingeboren werden, wobei die Geschichte auch zeigt, dass dies viel stärkeren Einfluss auf die Gesellschaft hat als jedes noch so gut gemeinte gesellschaftliche Engagement; aber das eine muss natürlich das andere nicht ausschließen.
Zuletzt wollen wir auf die Aussage des Paulus in Römer 9,1-3 und 10,1 achten. Hier drückt er klar seinen Herzenswunsch aus, dass Israel gerettet werden möge, sowie seine beständige Sorge wegen des Widerstandes seiner Brüder nach dem Fleisch gegen das Evangelium. Und sein Kummer ist umso größer, weil ihnen doch die Kindschaft und die Herrlichkeit und der Bund gehören, Vers 4 (und aus diesem Grund können wir seine Verantwortung und seinen Kummer grundsätzlich als stärker ansehen, als was ein Bürger irgendeines anderen Landes für seine Landsleute fühlen mag, denen die Kindschaft und die Bündnisse nicht wie dem Volk Israel von Anfang an zustehen).
Jedenfalls ist die Rettung von Menschenseelen der tiefste Wille Gottes und liegt deshalb auch uns am Herzen, insbesondere das Gebet für diejenigen, die uns in der Familie und darüber hinaus besonders nahe stehen. Aber beachten wir, dass Paulus nirgends andeutet, dass er für den Widerstand seiner Landsleute gegen das Evangelium Buße tut, obwohl er darüber tief bekümmert ist. Sein Gebet ist, dass sie gerettet würden! Beachte wiederum, dass Paulus hier eine ausgezeichnete Gelegenheit gehabt hätte, die Gläubigen in Rom zu ermahnen, für die Sünden ihrer großen Stadt und ihrer Führer Buße zu tun, deren Streitkräfte doch das Land Israel und alle umliegenden Länder besetzt hatten. Aber es gibt keinen Hinweis auf eine solche Lehre, weder hier noch sonst irgendwo im Neuen Testament. Es ist eine Sache, für das Volk der Juden um ihre Rettung zu beten, wozu uns die Bibel ausreichend Begründung gibt, aber es ist etwas ganz anderes, den an Jesus Gläubigen heute zu sagen, sie müssten den politischen Staat Israel unterstützen. Es gibt keinen Vers im Neuen Testament, der uns ermahnt, das zu tun. Ich bin mir der vielen Aussagen des Alten Testaments über Israel bewusst, aber das Einzige, woran Gott im Grunde interessiert war, war Israels Beziehung zu Ihm – dass sie ein heiliges Volk sein sollten, das Ihm allein dient. Wenn sie das versäumten, nahm Gott keine Rücksicht auf ihre nationale Integrität. Wenn auch andere Propheten zu Jeremias Zeit weissagten, dass Israel Frieden haben und keinen Krieg sehen würde, so gab ihnen doch Jeremia Gottes Wort weiter, nämlich, dass der Staat Israel zerstört und sie zerstreut und in Gefangenschaft geführt würden, wenn auch später etliche durch Seine große Barmherzigkeit wieder zurückkehren würden. Auch damals unterstützte Gott nicht den säkularen Staat Israel, wenn ihre Herzen fern von Ihm waren. Das ist heute nicht anders. Die Verwirrung bei diesen Menschen ist komplett: Sie vermischen ihr Verständnis des Alten Testaments mit dem Neuen Testament. Sie nehmen auch nicht wahr, wie Golgatha in dieser Hinsicht alles verändert hat. Sie meinen, das Volk Gottes des Neuen Bundes solle durch Gebet und tatkräftige Hilfe den säkularen Staat Israel blindlings unterstützen, der weithin nicht nach Gott fragt oder Ihn überhaupt wahrnimmt. Es ist eben ein säkularer Staat. Es gibt sogar orthodoxe Juden in Israel, die genau aus diesem Grund den Staat Israel als solchen ablehnen. Ich wiederhole: Es ist eine (lobenswerte) Sache zu beten, dass das jüdische Volk sein Vertrauen in Christus als seinen Retter setzen möge, aber es ist Irreführung, wenn man den Gläubigen sagt, sie müssten den politischen Staat Israel unterstützen. Wurde nicht Josafat genau deswegen von dem Propheten Gottes getadelt, dass er sein Brudervolk Israel unterstützte, als sie durch Ahab Gott den Rücken kehrten (2.Chronik 18,3; 19,2)? Fleischliche Loyalität steht den Zielen Gottes entgegen! Ich möchte mich eigentlich nicht an der Debatte um Gemeinde und Israel beteiligen; der einzige Punkt, auf den ich hinweisen möchte, ist einfach, dass die Idee, wir sollten den säkularen Staat Israel unterstützen, weder von Jesus noch von den Aposteln gelehrt wurde. Denken wir auch an das Wort, dass der ein Jude ist, der es inwendig ist, nicht der es auswendig ist (Römer 2,28.29), damit wir nicht Fleisch mit Geist und Altes mit Neuem Testament vermischen.
Einige abschließende Gedanken
Zum Schluss wollen wir noch einmal darauf sehen, wie diese Lehre das Gesetz des Alten Testaments über das Neue Testament stellt und uns in die Abhängigkeit von Gedanken bringt, die dem Evangelium entgegengesetzt sind.
Vielleicht merken diese Lehrer im Grunde schon, dass ihre Idee der »Sünden von Generationen« und Buße hierfür nicht im Neuen Testament gelehrt wird; jedenfalls versucht einer ihrer Anhänger diese Lehre in ungewöhnlichster Weise zu rechtfertigen. Er sagt, es sollte klar sein, dass wir nicht dadurch gerettet sind, dass wir das Bundesgesetz des Alten Testaments halten, sondern durch den Glauben an Christus und durch die Sühne für unsere Sünden durch Sein Blut. Aber er fährt fort und sagt, das bedeute nicht, dass die tieferen Grundsätze von Gottes Charakter, die in 2.Mose 34,5-7 zum Ausdruck kämen, oder die tieferen Prinzipien der Zehn Gebote, die wir in 2.Mose 20,3-17 und 5.Mose 5,7-21 finden, durch den Glauben an Christus aufgehoben wären. Er sagt, Paulus zeige uns deutlich in Römer 3,31, dass wir das Gesetz nicht abschaffen, sondern es durch den Glauben an Christus zur Erfüllung bringen. Daraus zieht der Schreiber den Schluss, dass der neutestamentliche Glaube die tieferen Grundsätze des alttestamentlichen Gesetzes erfülle, entsprechend Römer 8,4; 13.8! Und auf welche »tieferen Grundsätze« des göttlichen Gesetzes, die in das Neue Testament übergegangen wären, bezieht er sich? Eben das Bekenntnis der »Sünden von Generationen« in der Gesellschaft, um Gottes Gericht abzuwenden!
Obwohl er in seinen Ausführungen jene drei alttestamentlichen Schriftabschnitte zunächst in ihrem Zusammenhang zitiert, geht es ihm vordergründig um die Rechtfertigung der Idee von den »Sünden der Generationen«, so dass er dafür jeweils nur einen einzigen Vers aus jedem Abschnitt herauspickt. Andere Aspekte der göttlichen Natur und Seiner Gnade im Alten Testament ignoriert er einfach, und so geht er überhaupt nicht auf die Tiefe und Größe der Gnade Gottes und Seines Heils durch Christus für uns ein. Das fällt in seiner Betrachtung Jesu Christi völlig unter den Tisch. Was er uns also nahe bringen will, ist, dass der Glaube an Christus nach Römer 3,31 und 8,4 die »Wahrheit« der Sünde von Generationen oder anderen Körperschaften begründe. Er sagt, der neutestamentliche Glaube festige das Gesetz, und dieser Gedanke der »Sünde der Generation« sei im Gesetz impliziert, und auf Grund dessen sei »Sünde der Generation« ein Teil der neutestamentlichen Wahrheit! Das ist seine Argumentation! Auch die Beschneidung ist ein Teil des Gesetzes, und wenn der neutestamentliche Glaube das Gesetz in der Weise bestätigt, wie dieser Schreiber es sagt, sollten wir uns dann nicht alle beschneiden lassen? Können Sie sich vorstellen, dass Paulus dies im Sinn hatte, als er diese Verse im Römerbrief schrieb? Wenn es so wäre, warum ist dann diese Lehre nirgendwo in seinen Briefen zu finden?
Zum zweiten: Haben Sie jemals etwas gehört von »tieferen Grundsätzen des alttestamentlichen Gesetzes« oder von »tieferen Prinzipien von Gottes Charakter« im Alten Testament, die mit dem Neuen Testament korrespondieren? Was ist damit gemeint? Lieber Leser, vergleichen Sie bitte die Zehn Gebote in 2.Mose 20 mit der Bergpredigt in Matthäus 5–7. Was denken Sie? Welcher Schriftabschnitt vermittelt uns eine tiefere, größere, höhere und insgesamt herrlichere Vorstellung von Gottes Charakter und Gesetz – wenn wir denn hier das Wort »Gesetz« verwenden wollen? Denn was Jesus in diesen Kapiteln im Matthäusevangelium beschreibt, ist eine Darstellung des göttlichen Lebens in einer Person, nicht was eine Person vollbringt durch ihr Bemühen, ein Gesetz zu halten. Deshalb heißt es in Johannes 1,17: »Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.« Jesus sagte: »Wer mich sieht, der sieht den Vater« (Johannes 14,9). Was im Alten Testament teilweise oder als Typus meist in irdischen Dingen offenbart wurde, ist nun in herrlicher und vollgültiger Weise in und durch Christus offenbart, der Seine Herrlichkeit und Fülle durch den Geist in unser Herz legt. Wir haben wahrhaftig allen Grund, Gott zu danken für dieses großartige Evangelium der Gnade und Wahrheit!
Betrachten wir noch 2.Korinter 3,6-18; 4,6; Kolosser 1,27; 1.Petrus 1,10-12; Hebräer 1,1-3; 7,18.19; 10,1. Wie können sie sagen, das Alte Testament enthalte tiefere Gesichtspunkte von Gottes Charakter als das Neue? Gott verändert sich nicht, und es gibt keinen Widerspruch zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. Gottes Liebe, Sein Erbarmen und Seine Geduld sowie Seine Gerechtigkeit und Heiligkeit sind im Alten Testament völlig klar zu sehen, und diese Charakterzüge Gottes haben sich selbstverständlich nie verändert. Aber durch Christus ist für uns im Neuen Testament die Herrlichkeit Seiner Natur und die Gnade Seiner ewigen Erwählung in einer insgesamt tieferen und herrlicheren Weise offenbart. Paulus sagt, dass die Herrlichkeit des Neuen Bundes so viel größer ist als die des Alten, dass es fast scheint, als ob der Alte Bund eine vergleichsweise geringere Herrlichkeit hätte!
Wenn der oben genannte Schreiber darauf hingewiesen hätte, dass kein Aspekt der göttlichen Gerechtigkeit oder Seines Anspruchs auf einen Wandel in Seiner Gerechtigkeit durch den neutestamentlichen Glauben aufgehoben wird, dann wäre das wirklich neutestamentliche Lehre, wie wir es gleich sehen werden. Aber das würde natürlich nicht in sein Konzept passen, und seine Ansicht ist in der Tat völlig anderer Art und führt ihn selbst völlig in die Irre. Dieser Schreiber glaubt, er könne seine eigene Lehre über »Sünde der Generationen« im alttestamentlichen Gesetz finden und begründen. Dann möchte er dieser Lehre eine dauerhafte Qualität geben, indem er erklärt, dass dieser Gesichtspunkt des Gesetzes ein Teil der unveränderlichen Natur Gottes wäre und so im Neuen Testament zur Erfüllung käme. Was ist das für eine Beweisführung? Weder das Halten des jüdischen Passa noch die äußerliche Beschneidung oder diese Erfindung, dass Gottes Volk die Sünden der Welt bekennen und dafür Buße tun müsste, sind ein Teil von Gottes ewigem Charakter oder von Seinem unveränderlichen Anspruch auf einen Wandel in Seiner Gerechtigkeit.
Wie gesagt zitiert er Römer 8,4 in der Absicht, zu beweisen, dass die Idee der »Sünde der Generation«, von der er behauptet, sie sei ein Bestandteil des alttestamentlichen Gesetzes, im Neuen Testament erfüllt oder weitergeführt sei. Vielleicht zeigt nichts deutlicher, wie diese Menschen den Neuen Bund nicht nur missverstehen, sondern ihn durch ihre konfuse Lehre auch seiner Kraft und seiner Zielsetzung berauben. Römer 8 enthält einige der herrlichsten Aussagen im Neuen Testament, einschließlich Verse 1-4. Durch Jesu Tod und Auferstehung sind wir jetzt von dem Gesetz der Sünde und des Todes befreit – zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte seit Adam! Die Gesetzgebung konnte das nicht tun. Das Gesetz konnte uns nicht rechtfertigen. Es konnte lediglich klarstellen, dass wir völlig ungerecht und total unter der Knechtschaft der Sünde sind und deshalb unfähig, in Gottes Gegenwart zu treten (Römer 3,10.12.19.20; 7,7-11; Galater 3,19; Hebräer 9,8) – und dass wir eine Erlösung brauchen! Die einzige Möglichkeit, uns Leben zu geben, ewiges Leben, war der Weg der Rechtfertigung. Es besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen Leben – göttlichem Leben, wie es in Gott selbst ist – und Gerechtigkeit (Galater 3,21; Römer 5,21). Wie nun durch Adam die vielen zu Sündern gemacht wurden, so sollen durch den Gehorsam Christi viele gerecht gemacht werden, denn Gott machte Ihn, der keine Sünde kannte, zur Sünde, damit wir in Ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt (Römer 5,19; 2.Korinther 5,21). Das ist die Kraft und die Herrlichkeit der Guten Nachricht!
Welchen Teil des alttestamentlichen Gesetzes wollte Gott in uns erfüllen? Nicht den zeremoniellen Teil! Wir haben nichts zu tun mit Neumonden und Beschneidung! Nicht mit Strafvollzug und Flüchen – außer dass sie Seinen eigenen Sohn getroffen haben! Es war die Gerechtigkeit des Gesetzes – das, was Sein eigenes heiliges Wesen und Seine Gerechtigkeit widerspiegelte. Das ist es, was Er von Ewigkeit her in uns zustande bringen wollte: Sein eigenes gerechtes, herrliches Leben! Das war der einzige Weg, wie Er uns ewiges Leben geben konnte: uns zu Seinen Söhnen und Töchtern zu machen, Seiner Natur entsprechend. Welch ein Evangelium! Welche Gnade! Welche Liebe! Seht, welche Liebe der Vater uns erzeigt hat, dass wir Söhne Gottes genannt werden sollten (1.Johannes 3,1; siehe auch Galater 3,21; Epheser 1,4.5; Römer 8,15-17.29; 2.Korinther 4,10.11; 2.Timotheus 1,9; Hebräer 12,10; 1.Petrus 1,15.16; 2.Petrus 1,3.4; 1.Johannes 4,17)!
Es ist die Gerechtigkeit des Gesetzes, die durch den Glauben an Christus in uns erfüllt werden soll. Dies, lieber Leser, dies ist es, was Römer 8,4 uns aufschließen will! Was das Gesetz nicht vermochte, was das Blut von Stieren und Ziegen nicht zustande brachte, was der beste Wille des besten Menschen nicht erfüllen konnte, das hat Gott getan in der Person Seines Sohnes. Das Lamm Gottes hat unsere Sünden weggetragen, indem Er sie in Seinem eigenen Leib verurteilte und so ihre Kraft und ihr Verdammungsurteil über uns zunichte machte – so dass die Gerechtigkeit, die vom Gesetz gefordert wird, in uns erfüllt würde, die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln. Das bedeutet, dass Sein Leben in uns Gestalt gewinnt; Seine Gerechtigkeit, Seine Gnade, Seine Liebe, Geduld und Langmut. Darum geht es in Römer 8, nämlich um Sein Leben in uns! Wie kann man solch einen herrlichen Vers nehmen und ihn um eigener Fantasien willen so missbrauchen? Nein, es ist nicht denkbar, dass sie es bewusst und mit Absicht tun, und dennoch sind sie dafür verantwortlich, dass sie ignorieren und ablehnen, was die Schrift so klar zum Ausdruck bringt, wie sie es mit den Lehren tun, die wir in diesem Artikel betrachtet haben. Nichts ist tiefer als Golgatha, nichts ist größer als Golgatha unter allen Ereignissen der Geschichte und der Offenbarung Gottes den Menschen gegenüber – es ist alles darin enthalten; es ist alles darin vollbracht!
Ihre Auslegung dieser Verse im Römerbrief zeigt klar, wie sie sich auf die Schriften des Alten Testaments konzentrieren, sie ausweiten und sie über das Neue Testament stellen und sie gegen das Neue Testament ausspielen. Sie präsentieren alttestamentliche Verse in einer Weise, die die neutestamentliche Wahrheit verkleinert und außer Kraft setzt – genau was in der Galatergemeinde geschah. Es ist die gleiche Art von Irrtum und Täuschung; ja, es ist eine Verzauberung. Wenn sie auch die übrigen Wahrheiten über Jesus akzeptieren, wie es auch die Irrlehrer in Galatien taten, so macht aber doch gerade das, was sie zur Wahrheit hinzufügen, diese zunichte.
Aus diesem Grund wurde dieser Artikel geschrieben. Menschen in meinem Bekanntenkreis wurden aufgrund dieser neuen Lehre bekümmert, verwirrt und in Zweifel geführt, und ich wurde gebeten, etwas zu schreiben, um diese Dinge von der Schrift her zu beleuchten. Ich hoffe und glaube, dass ich dies ausreichend getan habe, um zu zeigen, dass diese neuen Lehren im Neuen Testament und überhaupt in der Bibel keinen Platz haben, und dass sie auch keinen Raum in unseren Herzen haben sollten.
Wir haben in diesem Artikel einige tiefe und große Themen berührt (wie Gebet, Fürbitte und Erlösung), aber nicht mit dem Ziel, ein umfassendes und tiefes Studium über eines dieser Themen zu betreiben. Der Zweck dieses Artikels ist lediglich, die grundlegenden Aussagen der Schrift aufzuzeigen, die sich auf die Themen Bekenntnis, Gebet und Buße beziehen, und so zu zeigen, dass sich die Aussagen der Bibel völlig von diesen modernen Ideen unterscheiden. Es wäre natürlich noch vieles zu diesen Themen zu sagen, und ich habe auch nicht jeden einzelnen Punkt angesprochen, den diese modernen Lehrer aufstellen – das hätte diesen Artikel noch umfangreicher gemacht, ohne aber den grundlegenden Punkten, die ich behandelt habe, Wesentliches hinzuzufügen.
Lieber Leser, ich möchte mich von Ihnen verabschieden mit dem Wort aus Galater 5,1: »Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!«
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch!
Translated by: Roland Thomas
Copyright © D. Stamen 2001